Trump über QAnon-Verschwörungstheoretiker "Sie mögen mich offensichtlich"

Ein Kult aus demokratischen Pädophilen und Kannibalen - und ein US-Präsident, der heldenhaft dagegen kämpft: So lässt sich die QAnon-Verschwörung umreißen. Donald Trump hat mit diesem Unsinn offenbar kein Problem.
Donald Trump (am 17. August): "Aber soll das etwas Schlechtes sein oder etwas Gutes?"

Donald Trump (am 17. August): "Aber soll das etwas Schlechtes sein oder etwas Gutes?"

Foto: TOM BRENNER / REUTERS

Man kann nicht behaupten, dass die Reporterin dem US-Präsidenten keine Chance gelassen hätte, die Sache klarzustellen. Doch auch auf dezidierte Nachfrage hat US-Präsident Donald Trump eine Gelegenheit verstreichen lassen, sich von Anhängern der rechten QAnon-Verschwörungstheorie zu distanzieren. Der Clip von einem Pressetermin im Weißen Haus dauert insgesamt fast zwei Minuten.

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"Wie ich verstehe, mögen sie mich sehr, was ich zu schätzen weiß", sagte Trump am Mittwoch. Er wisse zwar nicht viel über die Bewegung. Er habe aber gehört, dass sie an Popularität gewinne. Und: "Ich habe gehört, dass es Leute sind, die unser Land lieben."

Die zentrale Behauptung der QAnon-Anhänger ist, dass es eine Verschwörung gegen Trump in den tieferen Schichten des US-Regierungsapparats gebe. Außerdem behaupten sie oft, prominente Politiker der Demokratischen Partei in den USA ließen sich mit Hormonen behandeln, die aus dem Blut von Kindern gewonnen würden.

Von einer Reporterin speziell darauf angesprochen, dass die QAnon-Anhänger glaubten, er rette die Welt "vor einem satanischen Kult aus Pädophilen und Kannibalen", sagte Trump: "Ich habe das nicht gehört. Aber soll das etwas Schlechtes sein oder etwas Gutes? Wenn ich helfen kann, die Welt vor Problemen zu retten, bin ich bereit dazu." Seine Regierung rette die Welt bereits vor "radikaler linker Philosophie".

Facebook geht im großen Stil gegen einschlägige Gruppen vor

Die Aussagen Trumps über QAnon passen in eine Serie von Äußerungen, mit denen der US-Präsident in Randbereichen der Gesellschaft nach Wählern fischt. Eines der bekanntesten Beispiele für diese Strategie dürften die Aussagen von 2017 gewesen sein, als Trump unter den Rechtsradikalen in Charlottesville (Bundesstaat Virginia) "sehr anständige Leute" ausgemacht haben wollte. Bei den Aufmärschen war eine Gegendemonstrantin von einem mutmaßlich rechtsradikalen Angreifer mit einem Auto angefahren und getötet worden.

Wenige Stunden vor Trumps aktuellem Statement hatte Facebook in einem breiten Vorgehen gegen QAnon 790 Gruppen, 100 Seiten und 1500 Anzeigen entfernt. Zudem wurden bei 1950 Facebook-Gruppen und 10.000 Accounts der Foto-Plattform Instagram Einschränkungen verhängt, wie das weltgrößte Online-Netzwerk mitteilte. Twitter hatte bereits vor knapp einem Monat mehr als 7000 Accounts, die QAnon-Unterstützern zugerechnet wurden, dauerhaft gesperrt.

jok/dpa
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