Sturm auf das Kapitol US-Ermittler nehmen Trumps direktes Umfeld ins Visier

Welche Rolle spielte Donald Trump bei dem Gewaltexzess am 6. Januar 2021? Die Nachforschungen betreffen inzwischen auch engste Mitarbeiter des Ex-US-Präsidenten – unter anderem seinen Social-Media-Chef.
Donald Trump auf einem seiner Golfplätze (am 12. September in Sterling, US-Bundesstaat Virginia)

Donald Trump auf einem seiner Golfplätze (am 12. September in Sterling, US-Bundesstaat Virginia)

Foto: Alex Brandon / AP

Nicht nur die Dokumente aus der Razzia in Mar-a-Lago bereiten Donald Trump potenziell juristischen Ärger. Auch die Ermittlungen zu den Vorgängen vom 6. Januar 2021 schreiten voran. Das US-Justizministerium nimmt dabei zunehmend Personen aus dem Tumps Umfeld unter die Lupe.

Die »New York Times« und der Sender CNN  berichteten am Montag (Ortszeit), das Ministerium habe in den vergangenen Tagen von mehreren Dutzend früheren und aktuellen Trump-Mitarbeitern Informationen angefordert.

Zum Teil gehe es um Dokumente, zum Teil aber auch um eine Vorladung für eine Aussage. Unter ihnen sei etwa der frühere Social-Media-Chef des Präsidenten, Dan Scavino, der noch immer für Trump arbeitet.

Auch in den vergangenen Monaten habe das Ministerium von Leuten aus Trumps Umfeld bereits unter Strafandrohung Informationen angefordert, schrieb die »New York Times« . Die Stoßrichtung sei diesmal jedoch eine andere und beziehe sich nun etwa auch auf Wahlkampffinanzen.

Anhänger Trumps hatten am 6. Januar 2021 den Parlamentssitz in Washington gestürmt. Dort war der Kongress zusammengekommen, um den Wahlsieg von Trumps demokratischem Herausforderer Joe Biden bei der vorausgehenden Präsidentschaftswahl formal zu bestätigen. Die gewalttätige Menge wollte das verhindern.

Durch die Krawalle kamen damals fünf Menschen ums Leben, darunter ein Polizist. Trump hatte seine Anhänger kurz zuvor bei einer Kundgebung mit der Behauptung aufgewiegelt, ihm sei der Wahlsieg gestohlen worden. Belege hat er nie auch nur ansatzweise vorbringen können. Er musste sich daher einem Amtsenthebungsverfahren im Kongress stellen, an dessen Ende er jedoch freigesprochen wurde.

Zahlreiche Zeugen erhoben massive Anschuldigungen

Das Justizministerium ermittelt seit vielen Monaten rund um den Sturm auf das Kapitol. Hunderte Randalierer von jenem Tag wurden vor Gericht gestellt. Es wächst jedoch der Druck auf das Ministerium, auch eine strafrechtliche Verfolgung gegen Trump einzuleiten. In einem Untersuchungsausschuss im Repräsentantenhaus, der die Hintergründe der Attacke aufarbeitet, belasteten diverse Zeugen Trump schwer.

Angesichts der wachsenden juristischen Unwägbarkeiten könnte Trump sich schon bald zu einem politischen Manöver greifen: eine Erklärung zur Kandidatur für den Wahlkampf um das Weiße Haus 2024. Ein solcher Schritt würde ihn zwar auf dem Papier juristisch nicht unangreifbar machen. Trotzdem stünde zu erwarten, dass jeder juristische Schritt von Trump und seinem Lager – noch deutlicher als ohnehin schon – als politisch motiviert dargestellt werden könnte.

jok/dpa
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