Zum Inhalt springen

Wahlkampfauftritte mit Donald Trump Wer ist Laura Loomer?

Eine ultrarechte Aktivistin verbreitet seit Jahren islamfeindliche Desinformation und ist auf nahezu allen Onlineplattformen gesperrt. Warum sich Trump nun mit ihr zeigt und was andere Republikaner darüber denken.
Rechte Aktivistin Loomer: »Stolze Islamophobin«

Rechte Aktivistin Loomer: »Stolze Islamophobin«

Foto:

Chris Szagola / AP

Dieser Artikel gehört zum Angebot von SPIEGEL+. Sie können ihn auch ohne Abonnement lesen, weil er Ihnen geschenkt wurde.

Seit einigen Tagen ist das Team des republikanischen Kandidaten für die US-Präsidentschaftswahl, Donald Trump, um eine Person reicher: Trump zeigt sich mit einer jungen Frau, der Influencerin Laura Loomer. Allein ihre Anwesenheit löst Kritik aus – und zeigt, in welche Richtung Trumps Wahlkampfstrategie womöglich künftig geht.

Wer ist Laura Loomer?

Loomer ist 31 Jahre alt und eine ultrarechte Aktivistin. Sie nannte sich selbst bereits eine »stolze Islamophobin« und dass sie für »weißen Nationalismus« sei, also die angebliche Überlegenheit weißer Menschen über nicht weiße Menschen. 2017 schrieb sie auf X – damals noch Twitter –, der Islam sei eine Form von »Krebs«. Vergangenes Jahr verbreitete Loomer die Behauptung, die Terroranschläge auf das World Trade Center am 11. September 2001 seien ein »inside job« gewesen, also von der US-amerikanischen Regierung selbst durchgeführt worden. In einem Interview mit CNN am Donnerstag sagte sie jedoch, sie glaube inzwischen, dass die Anschläge von islamistischen Terroristen begangen wurden.

Wegen hasserfüllter Äußerungen wurde Loomer auf nahezu allen Social-Media-Plattformen und sogar von Taxi-Apps wie Uber und Lyft gesperrt. Auf X ist sie noch aktiv. Vor wenigen Tagen schrieb sie dort: Falls die demokratische Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris die Wahl gewinne, würde es im Weißen Haus künftig »nach Curry riechen«. Harris’ Mutter kommt ursprünglich aus Indien.

Warum rückt sie jetzt ins Rampenlicht?

Loomer begleitete Donald Trump in den vergangenen Tagen auf Wahlkampfveranstaltungen. Sie flog mit Trump in seinem Privatflugzeug nach Philadelphia, wo die Debatte zwischen ihm und Kamala Harris stattfand. Trump nahm Loomer auch am 11. September mit zu einer Gedenkveranstaltung anlässlich der Terroranschläge. Loomer arbeitet jedoch laut eigenen Aussagen nicht für ihn oder das Wahlkampfteam.

Was sagt Trump dazu?

Als Journalisten Trump auf Loomers hasserfüllte, islamfeindliche und rassistische Aussagen ansprachen, sagte dieser: »Ich weiß, dass sie etwas gesagt haben mag, weil Sie es mir sagen, aber ich weiß nicht, was sie gesagt hat. Aber ich werde es mir anschauen und später Stellung dazu nehmen.«

Später schrieb er in einer Stellungnahme: »Ich lehne die Dinge ab, die sie gesagt hat, aber, wie Millionen Menschen, die mich unterstützen, hat auch sie es satt, dass linksradikale Marxisten und Faschisten mich angreifen und verleumden.« Trump schrieb nicht, auf welche Äußerungen von Loomer er sich bezog.

Warum zeigt Trump sich mit ihr?

Das ist unklar. Trumps Team ist wohl eigentlich versucht, ihn zu mäßigen. Das Ziel: Wählerinnen und Wähler überzeugen, die noch nicht entschieden haben, ob sie für Harris oder für Trump stimmen sollen. Sich mit Loomer zu zeigen, spricht für das Gegenteil: Er wendet sich damit noch stärker dem radikalen rechten Rand der US-Bevölkerung zu.

Loomer und Trump kennen sich schon länger: Die »New York Times« berichtete im April vergangenen Jahres , Trump habe überlegt, Loomer in sein Wahlkampfteam zu holen. Doch nach dem Bericht habe es einen Aufschrei unter Trumps konservativen Fürsprechern gegeben. Sie hielten Loomer für zu radikal. Trump habe daraufhin davon abgesehen, Loomer einzustellen.

Wie reagieren Republikaner darauf?

Einige kritisieren Trump dafür, dass er sich mit Loomer zeigt. Der republikanische Senator Lindsey Graham sagte am Donnerstag zu einem US-Reporter, Loomer sei »extrem toxisch«. Graham hatte Trump schon in der Vergangenheit immer wieder kritisiert. Ein weiterer republikanischer Senator, Thom Tillis, schrieb auf X, Loomer sei eine »verrückte Verschwörungstheoretikerin, die regelmäßig widerlichen Müll verbreitet, um uns Republikaner zu spalten.«

Auch aus Trumps Lager kommt Kritik: Die republikanische Abgeordnete Marjorie Taylor Greene schrieb auf X, Loomers Aussagen über Currygeruch im Weißen Haus seien »extrem rassistisch« und repräsentierten nicht, »wer wir als Republikaner oder MAGA sind«. MAGA bezieht sich auf Trumps Wahlkampfslogan »Make America Great Again«. Greene stand Loomer früher selbst nahe und hat ebenfalls Verschwörungsideologien verbreitet. Unter anderem hatte sie behauptet, Waldbrände in Kalifornien seien durch Laserstrahlen aus dem All ausgelöst worden, die womöglich von einer Rothschild-Investmentbank gesteuert wurden. Rothschild-Banken sind immer wieder Ziele antisemitischer Verschwörungserzählungen.

Hat Loomer selbst politische Ambitionen?

Loomer versuchte zweimal, als Republikanerin in das US-Repräsentantenhaus einzuziehen. Das erste Mal im Jahr 2020: Nachdem sie die Vorwahl gegen die republikanische Konkurrenz gewonnen hatte, gratulierte ihr Trump öffentlich auf X und wünschte ihr viel Erfolg für die Wahl. Loomer verlor jedoch gegen ihre demokratische Konkurrentin. Das zweite Mal scheiterte Loomer bereits in der republikanischen Vorwahl.