Trumps Strategie für eine Wiederwahl Kampf um die Vorstädte

Donald Trump triumphierte bei der Wahl vor vier Jahren auch deshalb, weil er in den Vorstädten gut abschnitt. Jetzt nutzt er die Gewalt in Kenosha für seine Kampagne. Herausforderer Joe Biden wirkt verunsichert.
Von Ralf Neukirch, Washington
Gewalt auf den Straßen der USA: Polizisten in Kenosha

Gewalt auf den Straßen der USA: Polizisten in Kenosha

Foto: BRENDAN MCDERMID / REUTERS

Joe Biden tut das, was er am besten kann: Er zeigt Empathie. Er habe mit der Familie von Jacob Blake gesprochen und ihr sein Mitgefühl ausgedrückt, sagte der demokratische Präsidentschaftskandidat in einem Video. "Die Bilder, die ich gesehen habe, machen mich krank."

Blake, ein schwarzer Familienvater, war in Kenosha in Wisconsin bei einer Auseinandersetzung mit der Polizei schwer verwundet worden. Sieben Kugeln trafen ihn in den Rücken. Er überlebte, wird aber vermutlich gelähmt bleiben. Wie es zu dem Vorfall kam, ist noch ungeklärt.

Nach den Schüssen war es in der Stadt zu Ausschreitungen und Plünderungen gekommen. In der Nacht zum Mittwoch starben zwei Menschen durch Schüsse, eine dritte Person wurde verletzt. Die Polizei nahm einen 17-Jährigen als mutmaßlichen Täter fest.

Donald Trump tut ebenfalls, was er am besten kann. Er werde Polizeibeamte und die Nationalgarde nach Kenosha schicken, kündigte der US-Präsident per Twitter an. "Wir werden Plünderung, Brandstiftung, Gewalt und Gesetzlosigkeit auf amerikanischen Straßen nicht zulassen."

Trump kommt die Gewalt gelegen

Dem Präsidenten kommt der neue Höhepunkt der Gewalt politisch gelegen. Trump braucht dringend ein Thema, um von seinem Versagen in der Coronakrise abzulenken. Die Gewalt in den Städten könnte ein solches Thema sein.

Seit ein weißer Polizist den Schwarzen George Floyd in Minneapolis am 25. Mai getötet hat, erschüttert eine Protestwelle das Land. Trump hat den Konflikt von Beginn an angeheizt, statt zu versuchen, die Nation zu einen.

  • Er ließ eine friedliche Demonstration vor dem Weißen Haus auflösen, damit er sich mit einer Bibel in der Hand vor einer Kirche fotografieren lassen konnte.

  • Er schickte gegen den ausdrücklichen Wunsch des Gouverneurs von Oregon die Nationalgarde nach Portland, um gegen Demonstranten vorzugehen. Er unternahm alles, um das Chaos zu verstärken.

Bislang hatte er damit keinen Erfolg, weil die Coronakrise alle anderen Themen überdeckte. Das könnte sich gerade ändern.

Auf ihrem Parteitag stellten die Republikaner das Thema Recht und Ordnung in den Mittelpunkt. Vizepräsident Mike Pence fasste die Botschaft am Mittwochabend kurz und bündig zusammen: "Ihr wärt nicht sicher in Joe Bidens Amerika."

Bewaffnete Bürger gegen Demonstranten

So denken viele Anhänger Trumps. In Kenosha hatte eine Gruppe bewaffneter Männer eine Tankstelle verteidigt. Es gibt Hinweise darauf, dass der verhaftete 17-Jährige auch dazu gehörte - und dass er ein Anhänger Trumps ist.

Der Präsident glaubt, dass er von den Unruhen profitiert. Seine Zielgruppe sind die Menschen in den Vorstädten. An sie richtet sich seine "Law and Order"-Botschaft. Damit hat er schon einmal Erfolg gehabt. 2016 hat Trump auch deshalb gewonnen, weil er in den Vorstädten gut abgeschnitten hat.

Will eine zweite Amtszeit als US-Präsident: Donald Trump

Will eine zweite Amtszeit als US-Präsident: Donald Trump

Foto: MICHAEL REYNOLDS / imago images/UPI Photo

Sein Vorbild ist der Wahlkampf, den Richard Nixon im Jahr 1968 geführt hat. Auch damals erschütterten Proteste gegen Rassismus das Land. Nixon präsentierte sich als der Kandidat, der Recht und Gesetz wieder durchsetzen würde. Er hatte damit Erfolg.

Die Demokraten teilen Trumps Glauben, dass die Wahl in den Vorstädten entschieden wird. Dort wohnen die weißen Trump-Wähler, die sich mittlerweile vom Präsidenten abgewendet haben. Biden ist vor allem deshalb Kandidat geworden, weil er diese Bürger am ehesten für seine Partei gewinnen kann.

Aber noch hat er keine überzeugende Antwort auf Trumps Strategie gefunden. Nach den Ausschreitungen in Kenosha verurteilte Biden die "sinnlose Gewalt". Er wirkte dabei nicht kraftvoll, sondern verunsichert.

Bidens Lage ist komplizierter als die des Präsidenten. Anders als Trump muss er eine breite Koalition von Wählern ansprechen.

Die Demokraten sind nervös

Er braucht die Stimmen der Parteilinken, die sich von ihm eine deutlich schärfere Kritik an der Polizei wünschen. Er darf aber gleichzeitig konservative Wähler nicht verprellen, die Sorge um die Sicherheit im Land haben.

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Die Nervosität im Lager der Demokraten ist deutlich zu spüren. Der CNN-Moderator Don Lemon, ein erklärter Trump-Gegner, forderte Biden auf , eindeutiger Stellung zu beziehen. "Die Ausschreitungen müssen aufhören", sagte Lemon. Man sehe die Auswirkungen bereits in den Umfragen.

Bislang setzt Biden vor allem darauf, dass er als Mensch anständiger sei als der Präsident. Fraglich ist, ob das als Botschaft im Wahlkampf reichen wird.

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