Trump verharmlost erneut Corona "Ich hatte es, hier bin ich"

83.000 Menschen haben sich in den USA zuletzt binnen einem Tag mit dem Coronavirus angesteckt, täglich sterben Hunderte Infizierte. Präsident Donald Trump spielt das Risiko derweil weiter herunter.
Donald Trump über das Coronavirus, hier bei einer Wahlkampfveranstaltung in Florida am Freitag: "Ich hatte es, hier bin ich"

Donald Trump über das Coronavirus, hier bei einer Wahlkampfveranstaltung in Florida am Freitag: "Ich hatte es, hier bin ich"

Foto: TOM BRENNER / REUTERS

US-Präsident Donald Trump will trotz einer neuen Rekordzahl an Corona-Neuinfektionen keine besondere Gefahr durch das Virus erkennen. "Ich hatte es, hier bin ich", sagte Trump mit Bezug auf seine Covid-19-Erkrankung bei einem Wahlkampfauftritt im US-Bundesstaat North Carolina. "Und jetzt sagen sie, dass ich immun bin." 

Der Präsident war Anfang Oktober für drei Tage im Walter-Reed-Militärhospital nördlich von Washington behandelt worden. Dabei wurde ihm unter anderem ein noch experimentelles Antikörper-Medikament verabreicht, das er als "Heilmittel" bezeichnete. Bei Tausenden Landsleuten verlief Covid-19 derweil weniger glimpflich: Bis Samstag starben mehr als 224.000 Amerikaner an der Krankheit.

Die Wähler stünden nun vor der Wahl "zwischen einem Trump-Super-Boom und einem Biden-Lockdown", sagte der Präsident der Nachrichtenagentur Reuters zufolge. Die USA seien auf dem Weg aus der Krise.

"Covid, Covid, Covid, Covid, Covid"

Die Zahl der Coronavirus-Infektionen in den USA an einem Tag stieg zuletzt auf mehr als 83.000 - der bisher höchste Wert. Trump führte die Entwicklung darauf zurück, dass mehr als früher getestet werde. "Wenn wir halb so viel testen würden, wäre die Zahl halb so hoch."

Überhaupt werde in den Medien ständig über das Virus geredet. "Macht man den Fernseher an: Covid, Covid, Covid, Covid, Covid", beschwerte sich der Präsident.

Tatsächlich wird auch in den USA inzwischen deutlich mehr getestet als noch während der ersten Welle der Corona-Pandemie. Dennoch ist der zuletzt deutliche Anstieg der Fallzahlen ein Alarmsignal - zumal die USA bereits jetzt das Land mit den weltweit meisten Todesopfern durch Corona-Infektionen sind. Zuletzt starben an einem Tag mehr als 900 Menschen mit Sars-CoV-2.

DER SPIEGEL

Nach der Präsidentenwahl am 3. November werde man davon nichts mehr hören, behauptete Trump. Zu Trumps Auftritt kamen mehrere Tausend Anhänger. Viele von ihnen trugen keine Masken und hielten auch keinen Abstand.

Sein demokratischer Herausforderer Joe Biden hat Trump für seine Aussagen zum Coronavirus zuletzt scharf attackiert. "Wie mein Großvater sagen würde: 'Der Typ hat nicht mehr alle Tassen im Schrank', wenn er glaubt, dass wir über den Berg sind", sagte Biden. "Es wird schlimmer, und er lügt uns weiterhin über die Gegebenheiten an."

Biden macht Wahlkampfevent als Drive-in

"Es wird ein dunkler Winter, wenn wir jetzt nicht unseren Kurs ändern", sagte der Demokrat nun laut Reuters bei einem Wahlkampfevent in Pennsylvania. Zu seinem Drive-in-Auftritt kamen die Anhänger in eigenen Autos, um mögliche Coronavirus-Infektionen zu vermeiden oder zumindest einzugrenzen.

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Trump machte sich indes über das Konzept lustig. "Da waren so wenige Autos, ich hab noch nie so ein Publikum gesehen", sagte Trump. "Es war nur eine winzige, winzige kleine Gruppe. Man konnte die Autos hören: hup, hup."

Trump hatte zuletzt mitgeteilt, dass er seine Stimme bereits jetzt abgegeben habe. Er suchte dafür ein Wahllokal in einer Bibliothek in West Palm Beach im Bundesstaat Florida auf. "Ich habe für einen Typen namens Trump abgestimmt", sagte Trump vor Fernsehkameras.

fek/dpa/Reuters
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