Fox News »Liebe in der Luft« – Donald Trump verklärt tödlichen Kapitol-Sturm

Fake News vom Ex-Präsidenten: Beim US-Sender Fox News hat Donald Trump die Ereignisse rund um den Sturm aufs US-Kapitol zu einer Kundgebung friedlicher Fans umgedeutet. Einen Todesfall instrumentalisiert er für eine politische Attacke.
Trump-Anhänger am 6. Januar vor dem US-Kapitol

Trump-Anhänger am 6. Januar vor dem US-Kapitol

Foto: Probal Rashid / imago images/ZUMA Wire

Mehr als sechs Monate sind seit dem tödlichen Sturm auf das US-Kapitol vergangen, bei dem Trump-Anhänger gewaltsam in das Regierungsgebäude eingedrungen waren. Während die Polizei diesen Sonntag verkündet, die Schutzzäune um das Kapitol abzubauen, präsentiert Donald Trump Sonntagmorgen in einem Interview seine ganz eigene Sicht auf die Geschehnisse vom 6. Januar.

Telefonisch beim Fernsehsender »Fox News« zugeschaltet deutet der Ex-Präsident die Ereignisse, wegen derer er fast nachträglich des Amtes erhoben worden wäre, zu einer Kundgebung friedlicher Anhänger und beteiligt sich an gefährlichen Andeutungen im Zusammenhang mit einem der Todesfälle.

Mehr als eine Million Menschen seien an dem Tag zusammengekommen, antwortet Trump auf die Bitte, die Ereignisse rückblickend zu beschreiben. Sie seien nur aus einem Grund zur »Kundgebung« gekommen: »Sie hatten das Gefühl, dass die Wahl manipuliert war«. Es habe sich um »friedliche«, »großartige« Menschen gehandelt, so Trump weiter. Es habe Liebe in der Luft gelegen, er habe noch nie so etwas erlebt. Wörtlich sagt Trump: »The love in the air, I've never seen anything like this.«

Tatsächlich hatten sich am 6. Januar Scharen von Fans des damaligen Nochpräsidenten Zugang zum US-Kapitol verschafft und dabei Sicherheitskräfte überrannt. Trump hatte seine Anhänger zuvor bei einer Rede mit Wahlbetrugsbehauptungen aufgestachelt. Fünf Menschen kamen zu Tode, darunter ein Polizist, zahlreiche weitere wurden verletzt. US-Behörden haben inzwischen rund 800 mutmaßliche Teilnehmende der Erstürmung identifiziert, gegen rund 500 von ihnen wurde Anklage erhoben.

Ashli Babbitt: Trump instrumentalisiert Todesfall

Im weiteren Verlauf des aktuellen Interviews äußert sich Trump auch zu einem der Todesfälle. Die 35-jährige Ahli Babbitt war den Behörden zufolge Teil eines Mobs, der sich Zugang zu einem geschützten Bereich des Repräsentantenhauses verschaffen wollte. Beamte hatten die Türen von innen mit Möbeln verbarrikadiert. Um trotzdem eindringen zu können, schlugen Trump-Anhänger von außen die Glasscheiben der Türen ein. Babbitt hatte daraufhin versucht, durch die Tür einzusteigen. Ein Polizist schoss der Frau bei den Vorgängen in die linke Schulter, sie erlag später ihren Verletzungen.

Im »Fox News«-Interview spekuliert Trump mit der Moderatorin darüber, wer Babbitt erschossen habe, eine laut Trump »unschuldige, wunderbare, unglaubliche Frau«. Die Wahrheit werde ans Licht kommen, droht Trump, und macht Andeutungen, es habe sich bei dem Schützen um den Leiter des Sicherheitspersonals eines »hohen demokratischen Beamten« gehandelt.

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Im Anschluss versucht die Moderatorin, den Vorfall mit dem Mehrheitsführer der Demokraten im Senat Chuck Schumer in Verbindung zu bringen. Ihr Sender habe eine Anfrage gestartet und nachgefragt, was Schumer möglicherweise über den Vorfall wisse, aber keine Antwort erhalten, sagt sie. Ob Trump mehr wisse? Zwar antwortet der Ex-Präsident ausweichend, er lässt den Vorwurf jedoch im Raum stehen.

Schumer ist ein erbitterter Gegner Trumps. Er hatte kurz nach dem Sturm auf das US-Kapitol Trumps Absetzung gefordert. Der Präsident dürfe »nicht einen Tag länger« im Amt stehen, sagte er. Auch nachdem das Amtsenthebungsverfahren scheiterte, fand Schumer deutliche Worte: »Der 6. Januar wird ein Tag der Schande in der Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika sein. Das Versäumnis, Donald Trump zu verurteilen, wird als Schande in die Geschichte des Senats der Vereinigten Staaten eingehen«, sagte der Topdemokrat damals.

irb
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