Trump verlässt das Krankenhaus Gefährder in Chief

Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus war ein PR-Spektakel: Doch die Botschaft, die mitschwingt, ist brandgefährlich. Der Präsident spielt das Virus weiter herunter - womöglich mit fatalen Folgen.
Trump nach der Rückkehr ins Weiße Haus: Verharmlosende Worte über das Virus

Trump nach der Rückkehr ins Weiße Haus: Verharmlosende Worte über das Virus

Foto: KEN CEDENO / EPA-EFE / Shutterstock

Jeder Schritt war fürs Fernsehen choreografiert. Wie er durch die goldenen Türen des Walter-Reed-Militärhospitals kam, für die Kameras posierte und dann vorsichtig zum Auto schritt, das ihn zum Hubschrauber brachte. Wie er, am Weißen Haus angekommen, die Treppe hochschritt, auf dem Balkon die Corona-Maske abnahm, sie zusammenknüllte und in die Tasche steckte und erneut ins Nichts posierte, diesmal salutierend. Wie er schließlich noch zweimal wieder rauskam, um ein Wahlkampfvideo zu filmen.

"Ich habe so viel über das Coronavirus gelernt", sagt Donald Trump in dem eineinhalbminütigen Clip, den er später auf Twitter postete. "Eins ist sicher: Lasst euch nicht davon dominieren. Habt keine Angst davor."

Mit dieser bizarren Szene kehrte der US-Präsident am Montagabend vom Krankenhaus ins Weiße Haus zurück. Obwohl er nach eigenen Angaben mit dem Virus infiziert ist. Obwohl sein Leibarzt Sean Coney zugibt, dass er "noch nicht über den Berg" ist.

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Doch Trump bestand darauf, entlassen zu werden. Besser gesagt: Von einer Krankenstation in eine andere, etwas luxuriösere verlegt zu werden. Er werde das großartige Hospital am Abend verlassen, hatte er bereits nachmittags angekündigt, bevor seine Ärzte das offiziell gemacht hatten. Er fühle sich wirklich gut. Auch da schon die - gefährliche - politische Botschaft: "Habt keine Angst vor Covid." Sein Wahlkampfteam wiederholte sie kurz darauf wortwörtlich in Spendenaufrufen an seine Anhänger.

Es klingt wie die Variation eines Themas, das schon aus Bob Woodwards unlängst erschienenem Buch "Rage"  bekannt ist. Im Gespräch mit dem Journalisten räumte Trump Mitte März ein, dass er die Gefahr, die vom Coronavirus ausgehe, der Bevölkerung gegenüber bewusst verharmlose: "Ich wollte das immer herunterspielen. Ich spiele es immer noch herunter, weil ich keine Panik erzeugen will." Und, weil er die Wahl gewinnen will.

DER SPIEGEL

Doch diese Botschaft könnte zu Leichtfertigkeit verleiten - womöglich mit fatalen Folgen.

Das Weiße Haus ist zum Corona-Hotspot geworden

Er selbst fühle sich besser als vor 20 Jahren, schrieb der Präsident. Wie lange das möglicherweise von seinen Medikamenten mit ausgelöste Gefühlshoch währt, bleibt abzuwarten. Denn Trump kehrt in ein Weißes Haus zurück, das längst selbst zu einem Corona-Hotspot geworden ist: Nur wenige Stunden vor Trumps Ankündigung, das Krankenhaus verlassen zu wollen, gab seine Pressesprecherin, Kayleigh McEnany, bekannt, dass sie sich ebenfalls angesteckt hatte.

Seit Donnerstag habe sie sich täglich auf das neuartige Coronavirus testen lassen, schrieb McEnany in einer auf Twitter verbreiteten Mitteilung: stets negativ. Ein am Montagmorgen durchgeführter Test sei schließlich aber positiv ausgefallen. Sie habe keine Symptome und werde sich nun in Quarantäne begeben, so die Pressesprecherin.

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Was bedeutet das für jene, die ihr für gewöhnlich Fragen stellen? "Keine Reporter, Produzenten oder Mitglieder der Presse werden vom medizinischen Team des Weißen Hauses als enge Kontakte geführt", schrieb McEnany. Die Journalisten im Medienpool des Weißen Hauses dürfte das kaum beruhigen. Noch am Vortag hatte Trumps Pressesprecherin auf der Auffahrt zum Weißen Haus mit Journalisten gesprochen - ohne Maske.

Die "Washington Post"-Kolumnistin Jennifer Rubin riet Reportern im Weißen Haus dazu, nichts von dem, was McEnany sagt, für bare Münze zu nehmen. Und PBS-Korrespondentin Yamiche Alcindor wies auf Twitter darauf hin, dass Maske tragende Journalisten die Angestellten des Weißen Hauses häufig danach fragten, weshalb diese auf einen Mund-Nasen-Schutz verzichteten. Die Antwort demnach: weil sie oft getestet würden und die Tests negativ ausfielen.

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Das tun sie nun nicht mehr. Kurz nachdem McEnany ihre Ansteckung bekannt gemacht hatte, meldete der Sender CNN, dass zwei weitere Mitglieder von Trumps Pressemannschaft positiv getestet worden waren.

Diese jüngsten Fälle machen eine Erkenntnis immer unausweichlicher: Trump und seine Mitarbeiter und Vertrauten bekommen nicht nur das Virus, das unter ihnen grassiert, nicht in den Griff. Sie gefährden potenziell andere; seien es Agenten des Secret Service, die den infizierten Präsidenten am Wochenende an seinen jubelnden Anhängern vorbeikutschieren, oder Journalisten, die McEnany und ihren Presseleuten Fragen stellen.

Die Liste der Infizierten ist lang

Trumps Sprecherin war noch am Freitag von Reportern gefragt worden, ob sie künftig bei ihren Briefings einen Mund-Nasen-Schutz tragen würde. Kein Kommentar. Tags zuvor war Trumps enge Beraterin Hope Hicks positiv getestet worden; am Abend dann wurde publik, dass der Präsident sich angesteckt hatte. Hicks' Ansteckung, die zentral für das Infektionsgeschehen im Umfeld Trumps zu sein scheint, umgeben weiterhin zahlreiche offene Fragen. McEnany versicherte, sie habe definitiv nicht von Hicks' Diagnose gewusst, bevor sie am Donnerstag ein Pressebriefing hielt.

Bisweilen ist schwer auszumachen, wo das Unvermögen im Umgang mit dem Virus endet und die mutwillige Gefährdung anderer beginnt.

McEnany und ihre Kollegen aus dem Presseteam sind nur die vorerst Letzten im Umfeld des Präsidenten, die positiv auf das Virus getestet wurden. Neben ihnen, Hicks und der First Lady Melania Trump wären da noch:

  • Trumps Wahlkampfmanager, Bill Stepien,

  • seine Ex-Beraterin, Kellyanne Conway,

  • Ronna McDaniel, die Chefin der Republikanischen Partei,

  • Chris Christie, republikanischer Ex-Gouverneur von New Jersey, der Trump vor dem ersten TV-Duell mit seinem demokratischen Herausforderer Joe Biden coachte,

  • Trumps "body man" Nick Luna,

  • die republikanischen Senatoren Mike Lee aus Utah, Thom Tillis aus North Carolina und Ron Johnson aus Wisconsin.

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Auch drei Journalisten aus dem Pressepool des Weißen Hauses steckten sich in den vergangenen Tagen an.

Im Kampf gegen das Coronavirus seien die USA dabei, "die letzte Kurve" zu meistern, hatte Trump unlängst noch ausgerufen. Das Weiße Haus scheint davon - trotz der Rückkehr des Präsidenten - noch ein ganzes Stück entfernt.

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