Infizierter Wahlkämpfer Trump Weißes Haus verweigert Nachweis eines negativen Corona-Tests

US-Präsident Trump tritt eine Woche nach seinem Klinikaufenthalt wieder öffentlich auf, will auch kommende Woche Wahlkampf machen. Gewissheit, ob er mittlerweile negativ auf das Coronavirus getestet wurde, gibt es aber nicht.
Donald Trump am Samstag: "Kein Fieber mehr, alle Symptome verbessert"

Donald Trump am Samstag: "Kein Fieber mehr, alle Symptome verbessert"

Foto: Tom Brenner / REUTERS

Nach seiner Covid-19-Erkrankung ist US-Präsident Donald Trump seinem Leibarzt zufolge nicht mehr ansteckend. Der jüngste Coronavirus-Test habe nach "gegenwärtig anerkannten Standards" gezeigt, dass der Präsident "kein Übertragungsrisiko für andere mehr darstellt", erklärte Mediziner Sean Conley am Samstagabend (Ortszeit) in einem vom Weißen Haus verbreiteten Schreiben.

Conley berief sich dabei auf Trumps jüngsten Test vom Samstagmorgen. Trump, der sich am 3. November um eine zweite Amtszeit bewirbt, hat schon ab Montag wieder große Wahlkampfauftritte geplant.

Trump könne nun, rund zehn Tage nach dem Auftreten erster Symptome, gemäß den Kriterien der Gesundheitsbehörde CDC seine freiwillige Quarantäne beenden, erklärte der Arzt. Die Tests im Verlauf seiner Erkrankung hätten eine stets abnehmende Viruskonzentration gezeigt, schrieb Conley weiter. Er werde Trump, der wieder zu "seinem aktiven Terminplan" zurückkehre, weiter beobachten.

Trump habe seit "weit mehr als 24 Stunden" kein Fieber mehr, "alle Symptome" hätten sich "verbessert", schrieb der Arzt.

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Er machte aber keine Angaben dazu, welche Symptome bei Trump noch in welchem Maß feststellbar waren. Zudem schrieb Conley an keiner Stelle explizit, dass der jüngste Corona-Test bei Trump negativ ausgefallen war. Es schien daher auch möglich, dass der jüngste Test wegen einer geringen Viruskonzentration immer noch positiv ausgefallen war.

Wann kann sich Trump infiziert haben? Unklarheiten bleiben

Der 74-jährige Trump war nach eigenen Angaben am 1. Oktober positiv auf das Coronavirus getestet worden. Das Weiße Haus teilte jedoch nie mit, wann Trumps regelmäßige Corona-Tests zuletzt negativ ausgefallen waren. Trump erkrankte an Covid-19 und wurde daher ab 2. Oktober drei Tage in einem Militärkrankenhaus behandelt. Dort gaben ihm Ärzte unter anderem das antivirale Medikament Remdesivir, Entzündungshemmer und einen experimentellen Antikörper-Cocktail. Die aggressive Behandlung ließ vielen Experten zufolge - entgegen der Darstellung des Weißen Hauses - auf eine ernstere Erkrankung schließen.

Trump am Samstag auf dem "Truman-Balkon" des Weißes Hauses vor jubelnden Anhängern: "Ich fühle mich toll"

Trump am Samstag auf dem "Truman-Balkon" des Weißes Hauses vor jubelnden Anhängern: "Ich fühle mich toll"

Foto: Erin Scott/POOL/EPA-EFE/Shutterstock

Nach Klinikaufenthalt: Beim ersten öffentlichen Auftritt am Samstag sagt Trump: "Ich fühle mich toll"

Trump hatte am Freitag erstmals einen längeren TV-Auftritt absolviert, am Samstag trat er im Weißen Haus auch erstmals wieder kurz öffentlich auf. Trump sprach dabei von einem Balkon des Weißen Hauses vor mehreren Hundert Anhängern, die sich auf dem Südrasen des Geländes versammelt hatten. Sie trugen zumeist Masken, standen aber relativ dicht gedrängt. "Ich fühle mich toll", sagte Trump unter dem Jubel der Anhänger. Der Republikaner warnte eindringlich vor einem Wahlsieg seines demokratischen Herausforderers Joe Biden. Seine Rede blieb mit weniger als 20 Minuten aber ungewöhnlich kurz: Bei solchen Anlässen spricht Trump sehr oft länger als eine Stunde.

Bidens Programm sei "sozialistisch" oder gar "kommunistisch" und würde das Land in die Krise stürzen, behauptete Trump. Der Demokrat sei nicht fähig, das Land zu regieren, sagte Trump. Der Präsident liegt in Umfragen gut drei Wochen vor der Wahl allerdings hinter Biden, 77, einem früheren Senator und Ex-Vizepräsidenten.

Trumps Wahlkampfteam kündigte für Montag, Dienstag und Mittwoch jeweils einen großen Wahlkampfauftritt des Präsidenten in den bei der Wahl wichtigen Bundesstaaten Florida, Pennsylvania und Iowa an.

Trump versprach bei dem Auftritt im Weißen Haus auch erneut, dass die Pandemie bald überstanden sein werde. "Sie verschwindet, und die Impfstoffe werden helfen, und die Mittel zur Behandlung werden sehr viel helfen", sagte Trump. Das "China-Virus" werde "ein für alle Mal besiegt" werden, versprach er. Viele Experten halten Trumps Prognosen zur Pandemie aber für viel zu rosig und werfen ihm Versagen vor.

Daten der Universität Johns Hopkins zufolge haben sich in dem Land mit 330 Millionen Einwohnern bislang rund 7,7 Millionen Menschen mit dem Coronavirus infiziert, 214.000 Menschen starben.

In Washington, D.C., herrscht eigentlich ein Versammlungsverbot für mehr als 50 Menschen, da das Weiße Haus samt Gelände jedoch Bundesgebiet ist, gilt eine Ausnahme. Nach Angaben des Weißen Hauses waren 2000 Personen zu dem Wahlkampfevent eingeladen worden. Deklariert war die Kundgebung als "friedlicher Protest für Recht und Ordnung".

pad/dpa
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