Durchsuchung bei Ex-US-Präsident Trump will FBI-Razzia zu Geld machen – und wettert gegen Biden

Donald Trump wäre nicht Donald Trump, wenn er nicht auch noch aus dem FBI-Einsatz in seinem Anwesen Profit schlagen wollte. Mit Blick auf Nachfolger Joe Biden sagte er: »Er wusste Bescheid.«
Polizei und Sicherheitskräfte vor der Zufahrt zu Mar-a-Lago

Polizei und Sicherheitskräfte vor der Zufahrt zu Mar-a-Lago

Foto: CRISTOBAL HERRERA-ULASHKEVICH / EPA

Wenn Ermittler das Haus eines Ex-Präsidenten durchsuchen, ist das selbst für amerikanische Verhältnisse ein ungewöhnlicher Vorgang. Für Donald Trump allerdings scheint die spektakuläre Aktion der Bundespolizei ein Anlass, sich als Opfer darzustellen – und daraus Profit zu generieren.

Schon kurz nachdem die Aufnahmen in jeder Nachrichtensendung im Land zu sehen gewesen waren, gingen Tausende E-Mails und Textnachrichten an potenzielle Spender. Der Aufruf: Gebt fleißig, um der Verschwörung gegen Trump und die Partei Einhalt zu gebieten.

»Sie versuchen schon wieder, mich und die Republikanische Partei zu stoppen«, steht in einer dieser Nachrichten. »Diese Rechtlosigkeit, politische Verfolgung und Hexenjagd muss aufgedeckt und aufgehalten werden.«

Am Montag hatte die Bundespolizei FBI Trumps Anwesen in Mar-a-Lago in Florida durchsucht. Hintergrund der Aktion war laut ersten Erkenntnissen die Suche nach Regierungsdokumenten. Anfang des Jahres war bekannt geworden, dass das für die Aufbewahrung präsidialer Korrespondenz zuständige Nationalarchiv 15 Kisten mit unter anderem vertraulichem Material in Trumps Privatclub vermutete. Trump hatte schließlich mehrere Dokumente der Behörde übergeben.

Nun erhob er schwere Vorwürfe gegen seinen Amtsnachfolger. Joe Biden habe über die Durchsuchung Bescheid gewusst. »Biden wusste alles darüber, genauso wie er über Hunters ›Deals‹ Bescheid wusste«, schrieb Trump am Dienstagabend auf dem von ihm mitgegründeten Netzwerk »Truth Social«.

DER SPIEGEL

Trump spielte damit erneut auf Vorwürfe gegen Joe Bidens Sohn Hunter an, mit denen er im Präsidentschaftswahlkampf 2020 immer wieder Stimmung gemacht hatte. Trump hatte versucht, Biden mit angeblichen zweifelhaften Geschäften seines Sohnes Hunter in der Ukraine in Verbindung zu bringen.

Das Weiße Haus hatte zuvor klargestellt, nicht vorab über die Durchsuchung von Trumps Anwesen informiert gewesen zu sein. »Der Präsident wurde nicht unterrichtet und wusste nichts davon. (...) Niemand im Weißen Haus wurde vorgewarnt«, sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Karine Jean-Pierre. Zu den laufenden Ermittlungen wollte sie sich nicht äußern. Trump wetterte hingegen: »Eine schreckliche Sache, die gestern in Mar-a-Lago stattfand. Wir sind nicht besser als ein Drittweltland, eine Bananenrepublik.« Er schrieb von einem »koordinierten Angriff«.

Trumps ehemaliger Vize gibt Rückendeckung

Der ehemalige US-Vizepräsident Mike Pence hat sich nach der Durchsuchung hinter seinen Ex-Chef gestellt. »Ich teile die tiefe Besorgnis von Millionen von Amerikanern über die beispiellose Durchsuchung des Wohnsitzes von Präsident Trump«, schrieb er am Dienstag bei Twitter.

Der Anschein von Parteilichkeit seitens des Justizministeriums müsse beseitigt werden. »Die gestrige Aktion untergräbt das Vertrauen der Öffentlichkeit in unser Rechtssystem, und Generalstaatsanwalt Garland muss dem amerikanischen Volk umfassend Rechenschaft darüber ablegen, warum diese Maßnahme ergriffen wurde, und er muss dies unverzüglich tun«, schrieb er an Justizministerminister Merrick Garland gerichtet.

Pence hatte sich zuletzt von Trump distanziert. Ihm werden Ambitionen für eine Kandidatur als Präsidentschaftskandidat im Jahr 2024 nachgesagt. Auch Trump kokettiert immer wieder mit einer Kandidatur, hat diese aber bisher noch nicht offiziell erklärt. Sollte Trump am Ende einer möglichen Untersuchung strafrechtlich belangt werden, könnte dies unter Umständen einer erneuten Kandidatur im Weg stehen.

jok/Reuters
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