Corona-kranker US-Präsident
Filmprofis halten Trumps Videobotschaft für bearbeitet
Experten spekulieren, ob aus einer Videobotschaft des US-Präsidenten ein Husten herausgeschnitten wurde. Auch aktuelle Fotos von Donald Trump kritisieren sie als Inszenierung.
Es sieht aus wie ein Schluckauf - und sorgt im Netz für Spekulationen: In einer Videobotschaft, die US-Präsident Donald Trump am Samstagabend (Ortszeit) aus dem Walter-Reed-Krankenhaus per Twitter verschickte, verzieht er bei Minute 1:04 kurz das Gesicht. Gleichzeitig scheint das Hintergrundrauschen auf der Tonspur für den Bruchteil einer Sekunde unterbrochen zu sein, läuft dann aber, ohne erkennbare Unterbrechung, weiter. (Das komplette Video finden Sie hier.)
In sozialen Netzwerken wird nun diskutiert, ob das ansonsten durchgehend aufgenommene Video an dieser Stelle geschnitten wurde - womöglich um ein Husten des US-Präsidenten zu kaschieren. Profis wie der Film- und TV-Cutter Tom Costantino spekulieren, ein entsprechender Schnitt habe eigentlich mit der sogenannten "Morph Cut"-Funktion der Videosoftware Adobe Premiere unkenntlich gemacht werden sollen, das sei aber aufgrund von unsauberer Arbeit misslungen.
Die "Morph Cut"-Funktion wird teils in TV-Produktionen eingesetzt, um bei O-Tönen hässliche Pausen oder "Ähm"-Laute zu tilgen, ohne dass auf der Bildebene allzu viele sichtbare Schnitte entstehen.
Ob an den Spekulationen um das Trump-Video etwas dran ist oder ob es sich eher um eine Verschwörungstheorie handelt, ist unklar. Das Weiße Haus hat sich bislang nicht dazu geäußert. Die Frage ist allerdings, warum sich überhaupt jemand die Mühe gemacht haben sollte, ein Husten aus dem Video herauszuschneiden - wo dies doch das typische Symptom einer Covid-19-Erkrankung ist.
Tiefes Misstrauen
Die Spekulationen verdeutlichen allerdings, wie groß das Misstrauen in die Aussagen des Weißen Hauses zu Trumps Gesundheitszustand inzwischen sind. Sein Leibarzt Sean Conley hatte am Samstag vor dem Militärkrankenhaus Walter Reed in Bethesda verkündet, es gehe dem Präsidenten "sehr gut". Kurz darauf kursierten Berichte, laut denen Trumps Zustand zunächst besorgniserregend gewesen sei. Der US-Präsident habe demnach anfänglich unter Atemnot gelitten und sei mit zusätzlichem Sauerstoff versorgt worden.
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Das Weiße Haus hatte am Samstagabend (Ortszeit) bereits Fotos von Donald Trump veröffentlicht. Auf ihnen soll zu sehen sein, wie Trump auch aus dem Krankenhaus seiner Arbeit nachgehe. In einem der Fotos sitzt er in einem weißen Hemd an einem großen Holztisch und liest in seinen Unterlagen. Auf einem anderen Bild trägt er einen Anzug und setzt seine Unterschrift auf ein Blatt Papier.
Auch diese Bilder lösten Diskussionen in den sozialen Netzwerken aus, weil aus den Bilddateien hervorgeht, dass die Fotos in einem Abstand von nur zehn Minuten aufgenommen worden seien, wie der Journalist Jon Ostrower twitterte. Kritiker schrieben, das lege nahe, dass es sich bei den Aufnahmen lediglich um Inszenierungen handle, die belegen sollten, dass Trump weiterhin arbeitsfähig sei - obwohl sie tatsächlich nur beweisen würden, dass er über einen sehr kurzen Zeitraum an dem Tisch gesessen habe.