Dürre in Spanien Eines der wichtigsten Feuchtgebiete Europas ist ausgetrocknet

Im Doñana-Nationalpark in Andalusien führt auch die letzte Lagune kein Wasser mehr, zahlreiche seltene Tierarten sind gefährdet. Schuld ist wohl neben dem Klimawandel auch der intensive Erdbeeranbau in der Region.
Luftaufnahme der Lagune Santa Olalla vom Freitag: Situation rapide verschlechtert

Luftaufnahme der Lagune Santa Olalla vom Freitag: Situation rapide verschlechtert

Foto: Banco de Imágenes de la EBD-CSIC / dpa

Der Nationalpark Coto de Doñana im Süden Spaniens ist ausgetrocknet. Die letzte permanente Lagune, Santa Olalla, sei vollkommen trocken, berichteten die spanische Zeitung »El País« und regionale Medien am Samstag.

Der Nationalpark ist eines der wichtigsten Feuchtgebiete Europas. Er umfasst inklusive einer sogenannten Pufferzone knapp 1300 Quadratkilometer und bot bisher eine einzigartige Vielfalt an Ökosystemen: In den Wanderdünen, Stränden, Wäldern, Büschen und Sumpfgebieten leben mehrere gefährdete Arten wie der Kaiseradler, der Iberische Luchs und die Maurische Landschildkröte. Zugvögel nutzen das Gebiet als Rastplatz.

Die Biologin Carmen Díaz forscht im Nationalpark, sie geht davon aus, dass es nun derzeit im ganzen Park kein Wasser mehr gibt. Innerhalb von zwei Monaten habe sich die Situation rapide verschlechtert, sagte sie »El País« . Vorher sei Santa Olalla noch voller Flamingos gewesen, mittlerweile seien sie alle verschwunden. Nur eine kleine Pfütze sei geblieben.

Flamingos im Nationalpark Doñana im Juni 2012: Einst 2867 Wasserstellen

Flamingos im Nationalpark Doñana im Juni 2012: Einst 2867 Wasserstellen

Foto: blickwinkel / IMAGO

Laut »El País« ist die Lagune bisher erst zweimal ausgetrocknet: 1995 und 1983, jeweils nach jahrelangen Dürreperioden. 2004 habe man im Park noch 2867 Wasserstellen kartografiert, sie seien nun alle vertrocknet.

Klimawandel verschärft die Dürreperioden

Die Probleme im Doñana-Nationalpark sind lange bekannt. Seit Jahren wird übermäßig Grundwasser entnommen; legale und illegale Brunnen werden benutzt, um große Wassermengen abzuzweigen. Der Grundwasserpegel ging deshalb immer weiter zurück. Das Wasser dient unter anderem der Bewässerung von Tourismusanlagen und Erdbeerfeldern. Die roten Früchte werden in ganz Europa verkauft, auch in Deutschland. Die Produktion erhöht auch die Nitratbelastung des Wassers.

Nun kommt noch die schwere Dürre hinzu, die Spanien und weite Teile Europas erfasst hat. Der Klimawandel begünstigt die extreme Trockenheit. Er sorgt dafür, dass die Iberische Halbinsel so trocken ist wie seit mindestens 1200 Jahren nicht. Der Regen, der meist im Winter fällt, bleibt immer öfter aus.

Die bekannten Hochdruckgebiete über den Azoren, so haben Wissenschaftler jüngst herausgefunden, dehnen sich aus, sie treiben das feuchte Atlantikwetter nordwärts, vorbei an Spanien und Portugal. Im Nationalpark Doñana regnete es zwischen September und Mai nur etwas mehr als halb so viel wie im Mittel der vergangenen 40 Jahre.

Massenhaft illegale Bohrlöcher

In diesem Sommer haben die Behörden bisher 71 illegal gebohrte Brunnen versiegelt. Allerdings bohren die betroffenen Bauern oft neue Brunnen – die Erträge durch die Erdbeeren sind höher als die Bußgelder. Die Gewinne sind auch der Grund, warum die Politik kaum eingreift. Die rechte Regionalregierung von Andalusien will die Anbauflächen für Erdbeeren sogar noch weiter ausweiten.

Der mangelnde Schutz der Feuchtgebiete hat Spanien bereits Ärger mit der EU eingebracht. Der EU-Gerichtshof in Luxemburg gab im vergangenen Jahr einer Klage der EU-Kommission statt. Das Land unternehme »keine geeigneten Schritte, um die Verschlechterung von geschützten Lebensräumen in den Feuchtgebieten zu verhindern«, schrieb die Kommission in ihrer Klage.

slü/dpa
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