Designierter Botschafter Douglas Macgregor Trumps neuer Mann für Berlin ist fast wie der alte

Der US-Präsident will den konservativen Ex-Offizier und Fox-News-Kommentator Douglas Macgregor als Botschafter nach Deutschland entsenden. An der Politik dürfte das wenig ändern, höchstens am Stil.
Von Roland Nelles, Washington
Flagge der US-Botschaft am Brandenburger Tor in Berlin: Nachfolger für Grenell gefunden

Flagge der US-Botschaft am Brandenburger Tor in Berlin: Nachfolger für Grenell gefunden

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A3464 Rainer Jensen/ dpa

Nach dem Rückzug des umstrittenen Botschafters Richard Grenell glaubten viele in Berlin, mit dem nächsten amerikanischen Vertreter am Pariser Platz könne im deutsch-amerikanischen Verhältnis alles eigentlich nur noch besser werden. Wenn sie sich da mal nicht getäuscht haben.

US-Präsident Donald Trump hat für den Posten den pensionierten Armeeoberst Douglas Macgregor nominiert, einen Mann, der Grenell in seiner Ergebenheit zu Trump wohl in nichts nachsteht. Genau wie Grenell war Macgregor in Washington lange ein politischer Außenseiter, der nun dank Trump doch noch eine Chance erhält, auf der großen politischen Bühne mitzuspielen. In Berlin dürfte der neue Mann aus Washington deshalb ähnlich entschieden für Trumps außenpolitische Agenda eintreten wie sein Vorgänger, wenn auch vielleicht mit etwas anderen Mitteln und einem diplomatischeren Stil.

Designierter US-Botschafter für Berlin im Gespräch mit dem American Veterans Center über seine Laufbahn und Einsätze im US-Militär: Douglas Macgregor gilt als ausgewiesener Kenner der Militärgeschichte

Designierter US-Botschafter für Berlin im Gespräch mit dem American Veterans Center über seine Laufbahn und Einsätze im US-Militär: Douglas Macgregor gilt als ausgewiesener Kenner der Militärgeschichte

Foto: American Veterans Center/ Youtube

Im Gegensatz zu Grenell ist Macgregor - noch - kein aktiver Twitter-Nutzer, was die Hoffnung weckt, dass er es sich vielleicht nicht schon in den ersten Wochen nach Aufnahme seiner Amtsgeschäfte durch rechthaberische Tweets mit den maßgeblichen Leuten in Berlin verscherzt. Außerdem wird ihm eine gewisse Nähe zu und Sympathie für Deutschland nachgesagt, unter anderem soll er gut Deutsch sprechen. Auch das dürfte aus Berliner Sicht ein Pluspunkt sein.

Die Themen, die Macgregor im Auftrag der Trump-Regierung vorantreiben wird, dürften derweil dieselben bleiben: Deutschland soll deutlich mehr für die Nato bezahlen, es wird wieder um die Gaspipeline Nord Stream 2 gehen, um amerikanische Truppenreduzierungen, um Iran-Sanktionen und Handelsfragen.

Rekrutierungsstelle Fox News

In den USA ist Macgregor einem größeren Publikum bekannt, weil er - wie zuvor schon Grenell - regelmäßig als Kommentator für Außen- und Sicherheitspolitik beim Kabelsender Fox News auftritt. In der Sendung des stramm konservativen Moderators Tucker Carlson gibt Macgregor Meinungen zur Außenpolitik des Präsidenten ab, die meist äußerst wohlwollend ausfallen. Macgregor lobte bei Fox sowohl Trumps Entscheidung, US-Truppen aus Syrien abzuziehen, als auch den Plan des Präsidenten, möglichst rasch den US-Einsatz in Afghanistan zu beenden. "Der Präsident hat gute Instinkte", schwärmte Macgregor bei Tucker Carlson.

Trump dürfte auf den Ex-Offizier aufmerksam geworden sein, weil er Fox News als eine wichtige Informationsquelle und noch dazu Rekrutierungsstelle für Personal nutzt. Außerdem schätzt Trump kaum etwas mehr als Loyalität und öffentliche Schmeichelei.

Der Präsident hat gute Instinkte.

Douglas Macgregor

Macgregor war bereits für einige Posten im Gespräch, unter anderem wurde er nach dem Abgang von Trumps Sicherheitsberater John Bolton als dessen Nachfolger gehandelt. Dann war er als leitender Beamter im Verteidigungsministerium im Gespräch, was aber am Widerstand des zuständigen Ressortchefs Mark Esper gescheitert sein soll. Den Posten bekam ein anderer Fox-News-Kommentator.

Durch und durch Militär

Dazu muss man wissen: Macgregor ist durch und durch Militär. Ebenso wie sein künftiger direkter Chef im State Department, Außenminister Mike Pompeo, ist er Absolvent der angesehenen Militärakademie West Point. Er hat bis zu seiner Pensionierung praktisch sein gesamtes Berufsleben bei der Armee verbracht. Unter anderem diente er während des Kosovokriegs im Obersten Hauptquartier der Alliierten Streitkräfte in Europa, kurz Shape.

Macgregor kennt sich gut in Militärgeschichte aus, auch in der deutschen. Zu seinen militärischen Verdiensten zählt, dass er im ersten Golfkrieg die vordersten Truppen anführte, die in den Irak einmarschierten. Anschließend schrieb er Analysen und Empfehlungen, wie das US-Militär der Zukunft aussehen sollte, eckte dabei aber wohl bei seinen Vorgesetzten an. Über den Rang des Obersts kam er jedenfalls nicht hinaus, obwohl er es bei seiner Laufbahn normalerweise wohl auch zum General hätte bringen können.

Nach dem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst wurde Macgregor zu einem ausgesprochenen Kritiker der politischen und militärischen Bürokratie in Washington. Seine extreme Abneigung gegenüber dem sogenannten sicherheitspolitischen Establishment brachte er immer wieder in Reden und Büchern zum Ausdruck.

Ein starker isolationistischer Ton

Die Nato nannte er einen "Zombie", Amerikas Einsätze im Irak, in Afghanistan und Syrien begleitet er stets kritisch mit einem stark isolationistischen Ton. Das brachte ihn unweigerlich in die politische Nähe von Trump, der seinen ersten Wahlkampf 2016 unter anderem mit dem Versprechen bestritt, "Amerikas unsinnige Kriege" zu beenden.

Ähnliche Ansichten wie Trump vertritt Macgregor auch mit Blick auf die Einwanderungspolitik in den USA. Einen tieferen Einblick in seine Gedankenwelt hierzu gab er 2012 in einem Interview . Darin warnte er vor einer "Balkanisierung" des Landes und einem multikulturellen Staat. "Leider" sei nicht jeder Bewohner der USA heute ein Amerikaner, so Macgregor.

Bevor Trumps neuer Botschafter in Berlin seine Arbeit aufnehmen kann, muss er noch vom Senat bestätigt werden. Dieser Prozess kann sich hinziehen, womöglich sogar bis zur Präsidentenwahl.

Wie lange Macgregor dann tatsächlich Botschafter am Pariser Platz in Berlin sein darf, hängt auch vom Ausgang dieser Wahl ab. Gewinnt Trump, könnte er vier Jahre bleiben. Sollte Trump die Wahl am 3. November jedoch verlieren, wäre seine Amtszeit wohl beendet, bevor sie so richtig angefangen hat. Die US-Botschafter in wichtigen Hauptstädten wie Berlin werden bei einem Machtwechsel üblicherweise sofort ausgewechselt.

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