Dritte Corona-Spritze Israel erhöht Druck auf zweifach Geimpfte

Ohne den Grünen Pass geht im öffentlichen Leben fast nichts mehr: Das Gesundheitsministerium in Israel drängt zur dritten Impfung. Der Lehrerverband droht, die Regelung juristisch anzufechten.
Israelische Eltern und Kinder warten vor einer Schule auf Unterrichtsbeginn (Archivbild)

Israelische Eltern und Kinder warten vor einer Schule auf Unterrichtsbeginn (Archivbild)

Foto: Gil Cohen Magen / DPA

Wegen hoher Infektionszahlen erhöht Israels Regierung in der Coronakrise den Druck auf zweifach geimpfte Personen: Ab Sonntag gilt der sogenannte Grüne Pass, der den Zugang zum öffentlichen Leben erleichtert, nur noch bis zu sechs Monate nach der zweiten Impfung. Danach müssen Betroffene eine dritte Spritze als Auffrischung erhalten. Wegen technischer Probleme bei der Erneuerung des Passes werde die Gültigkeit des alten allerdings um einige Tage verlängert, teilte das Gesundheitsministerium mit.

Auch wer positiv auf Corona getestet wurde, muss spätestens sechs Monate danach noch eine Impfung erhalten. Nach Zahlen des Gesundheitsministeriums könnten von der neuen Regelung mehr als eine Million Menschen betroffen sein.

37 Prozent bereits dreifach geimpft

Der Grüne Pass gilt in Israel für fast alle Bereiche des öffentlichen Lebens: Alle Personen ab drei Jahren müssen nachweisen, dass sie geimpft, genesen oder negativ getestet sind, wenn sie Sport- oder Kulturveranstaltungen, Fitnessstudios, Museen, Restaurants, Universitäten oder Konferenzen besuchen wollen. Kinder bis zwölf Jahre können kostenlos getestet werden. Ab zwölf Jahre müssen die Kosten selbst übernommen werden.

Rund 61 Prozent der etwa 9,4 Millionen Einwohner sind laut Gesundheitsministerium zweifach geimpft, rund 37 Prozent dreifach. Voraussetzung für die dritte Spritze ist, dass die zweite Impfung mindestens fünf Monate zurückliegt.

Israel hat Ende Juli als erstes Land weltweit damit angefangen, dritte Impfungen zu vergeben. Hintergrund der Entscheidung sind Zahlen des Gesundheitsministeriums, wonach die Effektivität der Impfung seit Anfang Juni stark nachgelassen hat.

Verband fordert Übergangsfrist für Lehrer

Scharfe Kritik an der neuen Regelung kam vom israelischen Lehrerverband. Ab diesem Sonntag würden Lehrer und Lehrerinnen ohne Grünen Pass, die sich nicht auf das Coronavirus testen lassen wollen, vom Unterricht freigestellt. Sie dürfen dann auch nicht online unterrichten und erhalten kein Gehalt. Insgesamt seien rund 50 Prozent der Lehrer betroffen. »Das sind rund 80.000«, sagte Ran Eres, Vorsitzender des Lehrerverbandes.

Der Verband fordert eine zweimonatige Übergangsfrist für die Lehrer, um die dritte Impfung zu erhalten. Die Regierung habe die neuen Vorgaben zu kurzfristig mitgeteilt, kritisierte Eres. Regelmäßiges Testen sei auch nicht praktikabel für die Lehrer. Der Verband behalte sich vor, die Regelung vor Gericht anzufechten.

Anfang September registrierte Israel mit mehr als 11.000 die höchste Anzahl Neuinfektionen pro Tag seit Pandemiebeginn. Seither gehen die Infektionszahlen langsam zurück. Experten warnen allerdings immer noch vor einer Überlastung des Gesundheitssystems durch ungeimpfte schwer kranke Coronapatienten. Die überwiegende Mehrheit der zuletzt rund 600 Schwerkranken ist laut Gesundheitsministerium ungeimpft.

gro/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.