US-Satellitendaten zeigen angeblich Aufenthalt Russische Delegation soll Iran wegen Drohnen-Deals besucht haben

Angeblich will Russland in Iran Kampfdrohnen kaufen. Laut US-Angaben bezeugen Satellitenbilder den Besuch einer Delegation auf einem Flugfeld südlich von Teheran.
Das Drohnenmodell Shahed 129 auf einer Militärausstellung in Teheran

Das Drohnenmodell Shahed 129 auf einer Militärausstellung in Teheran

Foto: Sobhan Farajvan / Pacific Press Agency / IMAGO

Die USA haben ihre Behauptungen von einem Drohnen-Deal zwischen Iran und Russland erneut bekräftigt: Nach Angaben von US-Präsident Joe Bidens Nationalem Sicherheitsberater Jake Sullivan liegen Hinweise vor, dass eine russische Delegation kürzlich mindestens zweimal zu Besuch auf einem Flugplatz in Zentraliran war. Dort habe man sich über das ehrgeizige Drohnenprogramm der Islamischen Republik informiert und sich einige waffenfähige Modelle angeschaut.

Wie CNN berichtet , zeigen Satellitenbilder einen Flugplatz im Augenblick des Besuches der Russen. Auf dem Bild sollen zwei größere Drohnen, sogenannte UAVs (Unmanned Aerial Vehicle) vor einem Hangar liegen. Laut einem US-Beamten handele es sich um den Flughafen von Kashan südlich von Teheran. Unabhängig prüfen lässt sich das alles nicht.

»Wir gehen davon aus, dass eine offizielle russische Delegation vor Kurzem eine Vorführung iranischer angriffsfähiger UAVs erhalten hat«, so Sullivan. Das deute auf ein anhaltendes russisches Interesse am Erwerb solcher Kampfdrohnen hin. Der Besuch im Juni sei der erste dieser Art gewesen, am 5. Juli erfolgte ein zweites Treffen.

Damit unterstreichen die USA ihre Behauptung von vergangener Woche, nach der Moskau Iran Hunderte Drohnen abkaufen wolle, um diese im Angriffskrieg von Russlands Präsident Wladimir Putin gegen die Ukraine einzusetzen. Zudem soll sich Teheran darauf vorbereiten, russische Einheiten im Einsatz dieser Drohnen auszubilden oder habe möglicherweise bereits damit begonnen.

Tatsächlich könnte Russland im Bereich Drohnentechnik Unterstützung gebrauchen. Zwar wurde die Militärtechnik des Landes in den vergangenen Jahren umfangreich modernisiert, doch im Bereich der Drohnen liegt Putins Armee im Vergleich mit Nationen wie China zurück. Das liegt zum Teil auch an den westlichen Sanktionen, die viele Militärprogramme, die teils auf westliche Technik angewiesen sind, zurückgeworfen haben.

Start vom fahrenden Pick-up-Truck aus

Iran hat es dagegen trotz solcher Sanktionen geschafft, ein umfangreiches Drohnenprogramm zu entwickeln, das inzwischen nicht nur von Israel, sondern auch von einigen anderen arabischen Staaten im Mittleren Osten kritisch beobachtet wird. Seit den Achtzigerjahren arbeitet Iran daran, das Land wollte damit die Schwächen der eigenen Luftwaffe ausgleichen.

Inzwischen baut Teheran nicht nur recht einfache Aufklärungsdrohnen und Loitering Munition – Fluggeräte mit Sprengladungen, die selbstständig und unauffällig über dem Zielgebiet kreisen und irgendwann in einem Kamikazeangriff attackieren. Auch unterschiedliche, größere Kampfdrohnen sind im Programm (mehr dazu lesen Sie hier ).

Auf dem Flugplatz stehen laut den US-Aufklärungsdaten nun Drohnen vom Tpy Shahed-191 und Shahed-129. Bei der 191 handelt es sich in der neuesten Version um eine Kampfdrohne, dessen Form an den bekannten B-2 Spirit Stealth Bomber der U.S. Air Force erinnert. Das Besondere an der auch unter der Bezeichnung Saegheh bekannten Drohne scheint ihr Start zu sein: Sie wird auf ein Gestell auf einem Pick-up-Truck angebracht und startet während der Fahrt des Lkws. Die Drohne soll bereits in Syrien im Einsatz gewesen sein und kann mit zwei iranischen, ferngesteuerten Panzerabwehrraketen vom Typ Sadid-1 bestückt werden.

Auch die Shahed-129 ist waffenfähig. Die dienstälteste Kampfdrohne Irans kann mit acht Seezielflugkörpern bestückt werden. Militärexperten und -expertinnen schätzen die Spannweite der rund acht Meter langen Drohne auf 16 Meter. Bei der Entwicklung stand der Hersteller Shahed Aviation Industries im Verdacht, technische Details aus Israel abgeschaut zu haben. Möglicherweise war Iran eine israelische Hermes 450 in die Hände gefallen.

Erst am Freitag hatte das iranische Militär neue Drohnenpläne vorgestellt. Demnach sollen fünf weitere Einheiten geschaffen werden, darunter auch eine Flottendivision innerhalb der Marine, die mit Drohnen bestückt im Indischen Ozean operieren soll.

Irans Außenminister beschwichtigt

Allerdings hatte Irans Außenminister Hussein Amir-Abdollahian der Ukraine zuletzt versichert, keine Drohnen nach Russland liefern zu wollen. Die amerikanischen Behauptungen diesbezüglich seien grundlos und vor Bidens Reise in den Nahen Osten eher als Propagandaakt zu werten. Iran habe sich stets für eine diplomatische Lösung des Ukrainekriegs eingesetzt, so der Chefdiplomat.

Sicherheitsexpertinnen und -experten sind zumindest skeptisch, ob der Iran Russland wirklich Hunderte Kampfdrohnen liefern könnte. Solche Mengen dürfte das Land nicht auf Vorrat produziert haben. Ein möglicher Deal schließe deshalb allenfalls Loitering Munition mit ein – diese ist technisch deutlich einfacher und kann günstig in größeren Mengen produziert werden.

joe
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