Macron bei Gedenkfeier für ermordeten Lehrer "Samuel Paty wurde am Freitag zum Gesicht der Republik"

Emmanuel Macron ruft Frankreich bei der Trauerfeier für den enthaupteten Lehrer Samuel Paty dazu auf, die Freiheit zu verteidigen. In seiner 15 Minuten langen Rede wird der Präsident auch emotional.
Emmanuel Macron vor dem Sarg von Samuel Paty: "Wir machen weiter, Herr Lehrer!"

Emmanuel Macron vor dem Sarg von Samuel Paty: "Wir machen weiter, Herr Lehrer!"

Foto: Francois Mori / AP

Frankreichs Staatspräsident Emmanuel Macron hat bei einer emotionalen Gedenkfeier für den brutal ermordeten Lehrer Samuel Paty zur Verteidigung der Freiheit aufgerufen. "Wir werden nicht auf Karikaturen, Zeichnungen verzichten", sagte Macron am Mittwochabend im Innenhof der Pariser Sorbonne-Universität mit Blick auf die Mohammed-Karikaturen, die weltweit Kontroversen ausgelöst hatten. Der 47 Jahre alte Paty sei das Opfer einer tödlichen Verschwörung, von Dummheit, Lüge und Hass auf andere geworden, sagte Macron. "Wir machen weiter, Herr Lehrer!"

Macron verurteilte die "Feiglinge", die "diesen Anschlag begangen und ermöglicht haben". In seiner 15 Minuten langen Rede wollte Macron aber nicht zu viel über den mutmaßlichen Täter und dessen Unterstützer sprechen. "Sie haben es nicht verdient", so Macron weiter. "Heute Abend möchte ich von Samuel Paty sprechen."

Der Sarg Patys war zu dem Lied "One" von U2 in den Innenhof der Sorbonne getragen worden. Macron verlieh Paty posthum den Orden der Ehrenlegion. Zahlreiche Mitglieder der Regierung waren anwesend, auch der ehemalige Präsident François Hollande war dort. Es kam auch ein Freund Patys zu Wort, er sagte: "Adieu Samuel."

Präsident mit Tränen in den Augen

"Samuel Paty wurde am Freitag zum Gesicht der Republik", sagte Macron mit Tränen in den Augen. Paty habe das Unterrichten leidenschaftlich geliebt. Er habe Bücher geliebt und sei ein Lehrer, den man nicht vergessen werde. "Wir werden diesen Kampf für die Freiheit fortsetzen, und zwar aus demselben Grund, aus dem Sie jetzt das Gesicht der Freiheit sind", so Macron.

Der 47-jährige Paty war am Freitag Ermittlern zufolge von einem 18-Jährigen attackiert und getötet worden. Die Leiche des Lehrers wurde enthauptet aufgefunden. Der Angreifer mit tschetschenischen Wurzeln wurde von Polizisten erschossen.

Das Verbrechen in einem Pariser Vorort löste im ganzen Land Entsetzen aus. Am Wochenende waren Zehntausende auf die Straße gegangen, um sich solidarisch zu zeigen. Ermittler gehen davon aus, dass Paty ermordet wurde, weil er im Unterricht Karikaturen des Propheten Mohammed gezeigt hatte. Macron hatte direkt nach der Tat von einem islamistischen Terrorakt gesprochen.

Macron will die Freiheit verteidigen

Bei der Gedenkzeremonie sagte Macron, Frankreich werde nicht auf "Karikaturen, Zeichnungen" verzichten. An den toten Lehrer Paty gerichtet sagte Macron: "Wir werden die Freiheit verteidigen, die Sie so gut gelehrt haben." Paty sei ein Opfer von Hass geworden.

Anti-Terror-Staatsanwalt Jean-François Ricard hatte vor der Zeremonie mitgeteilt, dass nach dem Verbrechen 16 Menschen in Polizeigewahrsam genommen wurden. Neun von ihnen wurden wieder freigelassen. Gegen die restlichen sieben gebe es schwere Vorwürfe, unter anderem wegen Beihilfe zu einem Mord mit Terrorhintergrund. Nun müssen Ermittlungsrichter über den weiteren Fortgang entscheiden. Bisher wurden keine formalen Ermittlungsverfahren gegen die Verdächtigen eröffnet.

ptz/dpa
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