Wie beeinflusst Putins Krieg die Wahlen in Frankreich? So hat man Macron noch nie gesehen

Nichts beeinflusst die Politik so wie ein Krieg. Frankreichs Präsident Macron profiliert sich als Chefdiplomat, bemüht um Austausch mit dem russischen Aggressor. Doch an dem Vorgehen gibt es auch Kritik.
Ein Podcast von Olaf Heuser und Britta Sandberg

So hat man Emmanuel Macron noch nie gesehen: mit Dreitagebart, in Jeans und einen Hoody bekleidet, den das Emblem einer französischen Fallschirmjägerkompanie ziert. Fotografiert von seiner offiziellen Fotografin.

Der Spott ließ nicht lange auf sich warten – endlich hatten seine Konkurrentinnen und Konkurrenten im Rennen um die Macht in Frankreich etwas, was sie am Amtsinhaber kritisieren konnten. Denn Putins Krieg in der Ukraine hat Macron stark steigende Zustimmungswerte verschafft. Die Wählerinnen und Wähler honorieren die nimmermüden Versuche ihres Präsidenten, den russischen Präsidenten vom Krieg abzuhalten und dafür den persönlichen Kontakt mit Wladimir Putin nicht abreißen zu lassen.

Wird das reichen, um im Amt zu bleiben? Oder übertreibt es Emmanuel Macron, dessen Auftritte regelmäßig als arrogant und seine politischen Alleingänge als rücksichtslos kritisiert wurden, mit der Inszenierung?

»Die Franzosen mögen es, wenn sie nach außen hin gut repräsentiert werden«, sagt Britta Sandberg, SPIEGEL-Korrespondentin in Paris. »Das ist das alte Bedürfnis, noch auf der internationalen Bühne etwas darzustellen, von den anderen ernst genommen zu werden und in Europa nach wie vor eine große Rolle zu spielen. Im Moment erfüllt Macron all diese Kriterien«.

Macron profitiert außerdem davon, dass seine ärgsten Konkurrentinnen und Konkurrenten erhebliche Probleme haben, sich hinsichtlich des Krieges und insbesondere gegenüber Wladimir Putin neu zu positionieren. Das gilt für Marine Le Pens »Rassemblement National« und noch viel mehr für den rechtsextremen Éric Zemmour, der noch wenige Tage vor Russlands Invasion der Ukraine von seiner tiefen Bewunderung für Putin sprach. Auch die Kandidatin der Konservativen, Valérie Pécresse, konnte bisher nicht punkten und verstrickt sich in teils lautstarken Versuchen, sich von den rechten Parteien zu distanzieren.

Die Wahl zum Präsidenten Frankreichs könnte Macron also erneut gewinnen. Seine innenpolitischen Probleme hingegen, wie insbesondere die noch immer nicht umgesetzte Rentenreform, bleiben ihm erhalten, auch wenn momentan wohl etwa 30 Prozent seiner Landsleute für ihn stimmen würden.

»Die anderen 70 Prozent kommen erst mal nicht vor«, sagt Britta Sandberg, »das könnte sich bei den Parlamentswahlen ändern. Und es könnte sich auch zeigen, dass der Unmut und die Proteste, die jetzt aufgrund dieser Krisensituation bei den Präsidentschaftswahlen nicht zum Ausdruck kamen, sich dann im Juni bei den sogenannten Législatives, also bei den Parlamentswahlen, äußern«.

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