Streit um Erdgasvorkommen Türkische Fregatte vertreibt Forschungsschiff vor Zypern

Die Besatzung sollte den möglichen Bau einer Pipeline erkunden – dann wurde sie von einem türkischen Kriegsschiff angewiesen, den Standort zu verlassen. Vor Zypern ist es laut Berichten zu einem Zwischenfall gekommen.
Hier zu sehen ist das türkische Bohrschiff »Fatih« im Jahr 2019, das von einer türkischen Fregatte begleitet wird. Zyprische Vorhaben, die Erdgasvorkommen in der Region zu nutzen, lehnt die Türkei ab

Hier zu sehen ist das türkische Bohrschiff »Fatih« im Jahr 2019, das von einer türkischen Fregatte begleitet wird. Zyprische Vorhaben, die Erdgasvorkommen in der Region zu nutzen, lehnt die Türkei ab

Foto: DEFENCE MINISTERY PRESS SERVICE/ AFP

Im Streit um Erdgasvorkommen im Mittelmeer ist es zwischen der Republik Zypern und der Türkei am Samstag zu einem weiteren Zwischenfall gekommen, wie zyprische Medien  meldeten .

Den Berichten nach hat eine türkische Fregatte den Kapitän des Forschungsschiffs «Nautical Geo» per Funk angewiesen, seinen Standort südlich der Insel Zypern zu verlassen.

Zypern führt Forschungsarbeiten durch

Das Schiff führt im Auftrag der zyprischen Regierung Forschungsarbeiten durch. Die Besatzung soll erkunden, wo eine Gaspipeline gebaut werden könnte. Die Meeresregion zählt zu einem Bereich, der in Zyperns sogenannte Ausschließliche Wirtschaftszone fällt.

Weil die Türkei aber den Staat Zypern nicht anerkennt, spricht sie auch der Ausschließlichen Wirtschaftszone keine Gültigkeit zu. Aus Sicht der türkischen Regierung handelt es sich bei dem Meeresboden vor Zypern um den türkischen Festlandsockel.

Das Forschungsschiff »Nautical Geo« ist mittlerweile in den Hafen der Stadt Larnaka im Süden der Insel zurückgekehrt. Das berichteten zyprische Medien am Sonntag. Die Website »Vesselfinder« , die die Position von Schiffen weltweit angibt, lokalisiert die »Nautical Geo« ebenfalls in der Bucht vor Larnaka.

Keine Lösung in Sicht

Es ist nicht der erste diplomatische Konflikt, an dem die »Nautical Geo« beteiligt ist. Erst im Oktober hatte er zyprische Außenminister Nikos Christodoulides im örtlichen Rundfunk mitgeteilt, dass zwei türkische Fregatten den Kapitän des Forschungsschiffs aufgefordert hätten, die Meeresregion im Südwesten der Insel zu verlassen.

Die türkische Regierung lehnt die Suche nach Erdgas durch die zyprische Regierung ab. Hinter dieser Haltung und dem Streit um die Nutzung der Gasvorkommen steht auch der Zypernkonflikt: Zypern ist seit 1974 geteilt. Damals hatte die türkische Armee nach einem Militärputsch der griechischen Zyprer den Norden besetzt. Im Norden befindet sich die »Türkische Republik Nordzypern«, die nur von der Türkei anerkannt wird. Seit 2004 ist die gesamte Insel EU-Mitglied. Das EU-Recht gilt aber nur im Süden.

Uno-Vertreterinnen und Vertreter scheitern seit Jahrzehnten an Vermittlungen zur Überwindung der Teilung Zyperns. Ankara sieht keine Chance mehr auf eine Wiedervereinigung und fordert die Errichtung zweier unabhängiger Staaten. Das wiederum wollen weder die EU und die Vereinten Nationen, noch die griechischen Zyprerinnen und Zyprer.

vki/dpa