Putins Offensive in der Ukraine Erst Mariupol, dann Odessa?

Der Kreml will nun Gebäude der ukrainischen Waffenindustrie attackieren. Im umkämpften Mariupol droht eine humanitäre Katastrophe. Und: Der ukrainische Präsident warnt vor einer Bombardierung der Hafenstadt Odessa.
Prorussischer Kämpfer in der umkämpften Donbass-Region

Prorussischer Kämpfer in der umkämpften Donbass-Region

Foto: Alexander Ermochenko / REUTERS

Russland hat eine Ausweitung seiner Angriffe auf Gebäude der ukrainischen Waffenindustrie angekündigt. »Als Teil der Aufgabe, die Ukraine zu entmilitarisieren, werden die russischen Streitkräfte ukrainische Unternehmen des militärisch-industriellen Komplexes mit hochpräzisen Waffen bekämpfen«, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow.

Konaschenkow sagte zudem, dass ukrainische Kampfflugzeuge unter anderem nach Rumänien geflogen seien. Die Vorwürfe ließen sich zunächst nicht überprüfen. Moskau warnte, dass es als Einmischung in einen bewaffneten Konflikt gewertet werde, wenn Staaten ukrainische Maschinen auf ihren Flugplätzen landen ließen, die anschließend russische Streitkräfte angriffen.

Unterdessen geht die Belagerung der Hafenstadt Mariupol durch die russischen Truppen weiter. Ein zweiter Evakuierungsversuch für die Zivilbevölkerung scheiterte am Sonntag. Die russische und die ukrainische Seite beschuldigten sich erneut gegenseitig, gegen eine dafür vorgesehene Feuerpause verstoßen zu haben.

Mit Blick auf die Lage in Mariupol warf Wladimir Putin der ukrainischen Seite nach Angaben des Kreml in einem Telefonat mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron vor, Vereinbarungen »in dieser akuten humanitären Frage« nicht einzuhalten. Eine erste geplante Evakuierungsaktion war am Samstag gescheitert. Beide Seiten gaben sich gegenseitig die Schuld am Bruch der vereinbarten Feuerpause.

Mariupol hat insgesamt etwa 400.000 Einwohner, ukrainische Behörden hatten zuvor angekündigt, mehr als 200.000 Zivilisten in Sicherheit bringen zu wollen. Die Industriestadt steht bereits seit Tagen unter russischem Beschuss. Zuletzt war offenbar die Trinkwasser- und Stromversorgung gekappt worden.

Podcast Cover

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) erklärte, »die gescheiterten Versuche gestern und heute« zeigten, dass es keine detaillierte und funktionierende Vereinbarung zwischen den Konfliktparteien gebe. Die humanitäre Situation vor Ort ist nach Angaben der Hilfsorganisation Ärzte ohne Grenzen (MSF) »katastrophal«. In der Stadt gebe es kein Wasser und keinen Strom mehr, die Lebensmittel würden knapp.

Das am Asowschen Meer gelegene Mariupol mit knapp einer halben Million Einwohnern steht seit Tagen unter dem militärischen Druck der vorrückenden russischen Armee. Die angekündigte Evakuierung galt als Vorbote der Einnahme der Hafenstadt. Dies würde einen Zusammenschluss der russischen Truppen mit Einheiten aus der Krim und dem östlichen Donbass ermöglichen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf den russischen Truppen vor, die Bombardierung der historischen Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer vorzubereiten. »Sie bereiten die Bombardierung von Odessa vor. Odessa!«, sagte der Staatschef in einer Videobotschaft. »Das wird ein Kriegsverbrechen, das wird ein historisches Verbrechen.«

Angaben zu Todesopfern sind weiterhin kaum zu überprüfen. Kiew spricht von mehr als 11.000 getöteten russischen Soldaten, macht aber keine Angaben zu eigenen militärischen Verlusten. Auch Moskau macht kaum Angaben. Die Vereinten Nationen verzeichneten 331 getötete Zivilisten, die wahre Zahl dürfte aber deutlich höher liegen.

hej/dpa/AFP

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.

Abonnieren bei

Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es zu einem späteren Zeitpunkt erneut.