Biden über Afghanistan-Abzug »Es ist Zeit, Amerikas längsten Krieg zu beenden«

Joe Biden will die US-Truppen zum 11. September aus Afghanistan abziehen. Das Krisenland werde dennoch weiter unterstützt, heißt es in Auszügen aus einer vorab veröffentlichten Ansprache des Präsidenten.
US-Präsident Joe Biden (Archivaufnahme)

US-Präsident Joe Biden (Archivaufnahme)

Foto: Andrew Harnik / dpa

US-Präsident Joe Biden hat den angekündigten bedingungslosen Abzug aller amerikanischen Truppen aus Afghanistan bis zum 11. September verteidigt. »Es ist Zeit, Amerikas längsten Krieg zu beenden«, sagte Biden am Mittwoch nach vorab veröffentlichten Auszügen aus einer Rede. »Es ist Zeit für die amerikanischen Truppen, nach Hause zu kommen.«

Es sei nicht möglich, die Militärpräsenz am Hindukusch immer wieder in der Erwartung zu verlängern oder zu vergrößern, die »idealen Bedingungen« für einen Abzug zu schaffen. »Obwohl wir in Afghanistan nicht weiter militärisch involviert sein werden, wird unsere diplomatische und humanitäre Arbeit weitergehen«, sagte Biden demnach.

Die USA würden Afghanistans Regierung, die Sicherheitskräfte und auch die Friedensverhandlungen mit den militant-islamistischen Taliban aber dennoch weiter unterstützen. Biden wollte den Beschluss am Mittwoch offiziell im Weißen Haus verkünden.

Bereits am Dienstag war bekannt geworden, dass die USA als größter Truppensteller ihre Soldaten ohne weitere Bedingungen zum 11. September abziehen wollen, dem 20. Jahrestag der Terroranschläge von 2001 (lesen Sie hier eine Analyse ). Aktuell sind noch 10.000 Soldaten aus Nato-Ländern und Partnernationen in Afghanistan, um die demokratisch gewählte Regierung durch Ausbildung und Beratung von Sicherheitskräften zu unterstützen. Darunter sind etwa 1000 deutsche Soldaten.

Der Chef des US-Geheimdienstes CIA warnte vor den möglichen Folgen des Abzugs. Die Möglichkeit Washingtons, auf Drohungen zu reagieren, werde sich verringern, sagte William Burns. »Es besteht ein erhebliches Risiko, wenn sich das US-Militär und die Militärs der Koalition zurückziehen«, sagte er dem Geheimdienstausschuss des US-Senats.

Taliban bestehen auf Truppenabzug bis 1. Mai

Die Taliban fordern einen Abzug aller US- und Nato-Truppen aus Afghanistan bis zum 1. Mai – also deutlich vor dem von den USA genannten Termin am 11. September. Man strebe den Abzug aller ausländischen Streitkräfte zum per »USA-Taliban-Abkommen« festgelegten Datum an, schrieb Talibansprecher Sabiullah Mudschahid auf Twitter. Falls die Vereinbarung gebrochen werde, würden sich die »Probleme verschärfen«. Mit Blick auf die USA und andere Truppensteller fügte er hinzu, dafür seien dann jene haftbar, die sie nicht eingehalten hätten. Auch die Bundeswehr ist am Hindukusch im Einsatz.

Moskau warnt vor »Eskalation« in Afghanistan

Russland warnte angesichts des angekündigten US-Truppenabzugs vor einer Eskalation des Konflikts in dem Land. Die US-Pläne sorgten in Moskau für »Bedenken hinsichtlich einer möglichen Eskalation des bewaffneten Konflikts in Afghanistan«, sagte Außenamtssprecherin Maria Sacharowa. Eine solche Entwicklung könne auch die Bemühungen um die innerafghanischen Friedensverhandlungen untergraben.

als/Reuters/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.