Solidarität mit Protesten in Iran EU-Abgeordnete schneidet sich am Parlamentsredepult die Haare ab

Kämpferische Worte, eine Schere, ein Büschel Haare in der Hand: Am Redepult des EU-Parlaments hat eine Abgeordnete mit einer außergewöhnlichen Aktion ihre Solidarität mit den Protesten in Iran bekundet.
Abgeordnete Al-Sahlani: »Frauen, Leben, Freiheit«

Abgeordnete Al-Sahlani: »Frauen, Leben, Freiheit«

Foto: EUROPEAN UNION / REUTERS

Eine Abgeordnete aus Schweden hat sich im Europaparlament die Haare abgeschnitten – eine Geste der Solidarität mit den Protesten gegen das Regime in Iran. »Bis Iran frei ist, wird unsere Wut größer sein als die Unterdrücker. Bis die iranischen Frauen frei sind, werden wir euch beistehen«, sagte Abir Al-Sahlani am Dienstagabend im Europaparlament in Straßburg.

Dann nahm sie eine Schere, sagte auf Kurdisch und Englisch »Frauen, Leben, Freiheit«, schnitt sich den Zopf ab und hob die Haare in die Höhe. Zuvor hatte sie gesagt, an den Händen des Mullah-Regimes klebe Blut. Weder die Geschichte noch Allah oder der allmächtige Gott würden den Machthabern die Verbrechen gegen die Menschlichkeit verzeihen, die sie gegen ihre eigenen Bürger verübten.

Al-Sahlani wurde im Irak geboren und gehört der schwedischen bürgerlich-liberalen Centerpartiet an. Im EU-Parlament ist sie Mitglied der Fraktion Renew Europe.

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Auch Stars aus der Unterhaltungsbranche hatten mit ähnlichen Aktionen ihre Solidarität mit der Protestbewegung gezeigt. Insgesamt schnitten sich rund 50 berühmte französische Schauspielerinnen und Sängerinnen die Haare ab.

Auf dem am Mittwoch veröffentlichten Protestvideo blickt zunächst Schauspielerin und Oscarpreisträgerin Juliette Binoche in die Kamera, sagt »for freedom«, für die Freiheit, schneidet sich ein Haarbüschel ab und hält es in die Kamera. Weitere Beteiligte an dem mit der Hymne »Bella Ciao« unterlegten Video sind unter anderem Isabelle Huppert, Jane Birkin und Charlotte Gainsbourg.

Seit vielen Tagen geht das Regime in Teheran brutal gegen Proteste vor. Auslöser der Demonstrationen ist der Tod der 22-jährigen Mahsa Amini Mitte September. Die Sittenpolizei hatte sie wegen ihres angeblich »unislamischen Outfits« festgenommen. Amini brach nach ihrer Festnahme unter ungeklärten Umständen auf der Polizeiwache zusammen, fiel ins Koma und wurde drei Tage später im Krankenhaus für tot erklärt.

Kritiker werfen der Moralpolizei vor, Gewalt angewendet zu haben; die Polizei weist das zurück. Seit dem Tod der Frau demonstrieren landesweit Tausende gegen den repressiven Kurs der Regierung sowie den Kopftuchzwang. Dabei kam es zu zahlreichen gewaltsamen Auseinandersetzungen, Dutzende Personen starben. Das Regime macht Israel und die USA für die Proteste verantwortlich und zeigt keinerlei Bereitschaft, auf die Forderungen der Protestbewegung einzugehen.

ulz/Reuters/AFP
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