16. Kriegstag EU will mehr Waffen liefern, Biden beschließt neue Sanktionen – die aktuelle Lage

16 Tage nach Beginn des russischen Angriffs erhöht der Westen den Druck auf Präsident Putin. Die Europäische Union stellt 500 Millionen Euro für Waffen bereit – während die USA Wodka- und Diamant-Importe verbietet. Die Nachrichten im Überblick.
Nach den Raketen auf Mariupol: Eine Frau schützt sich mit einer Decke vor der Kälte

Nach den Raketen auf Mariupol: Eine Frau schützt sich mit einer Decke vor der Kälte

Foto: Evgeniy Maloletka / AP

Auch in der dritten Woche seit Beginn des russischen Angriffs auf die Ukraine ist ein Ende der Kampfhandlungen nicht in Sicht – genausowenig wie eine vorübergehende Waffenruhe. Mittlerweile hat Russland seine Angriffe auf den Westen des Landes ausgeweitet, bald könnten die Truppen auch die Hauptstadt Kiew erreichen.

Angesichts der dramatischen Lage versucht der Westen, Präsident Wladimir Putin mit weiteren Sanktionen und Waffenlieferungen an die Ukraine unter Druck zu setzen. So beschlossen die EU-Regierungschefs bei einem Gipfel in Versailles, weitere 500 Millionen Euro für Waffen und Ausrüstung zur Verfügung zu stellen – wofür genau ist vorerst unklar. In den USA versucht Präsident Biden hingegen, den Angreifer mit weiteren wirtschaftlichen Einschränkungen zu treffen. So werden die Vereinigten Staaten unter anderem Importe von Diamanten, Fisch und Wodka aus Russland einstellen, überhaupt werden die normalen Handelsbeziehungen mit Russland vorerst ausgesetzt.

Ergebnisse langer Beratungen – die andernorts weiter auf sich warten lassen. Putin selbst ließ bei einem Treffen mit seinem Amtskollegen Alexander Lukaschenko ausrichten, es gebe Fortschritte in den Gesprächen mit der Ukraine. Worin diese bestehen, verriet er aber nicht. Auch über Altkanzler und Gaslobbyist Gerhard Schröder, der sich offenbar in geheimer Mission nach Moskau aufgemacht hatte, um persönlich mit Putin zu sprechen, war am Freitagabend nichts bekannt geworden. Wurde er überhaupt zum Präsidenten vorgelassen? Der Kreml hatte offiziell »keine Informationen« über ein Treffen.

Es ist der 16. Kriegstag.

Die militärische Lage

Die dramatische Lage der südostukrainischen Hafenstadt Mariupol hat sich weiter verschlimmert. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums ist die Stadt mittlerweile komplett blockiert. »Alle Brücken und Zufahrten zur Stadt sind zerstört«, sagte Generaloberst Michail Misinzew laut der Agentur Interfax. In der Stadt sitzen mehrere Hunderttausend Bewohner fest. Der Stadtrat von Mariupol zählte bisher knapp 1600 getötete Zivilisten, UN-Statistiken weisen rund 560 belegte Fälle aus.

Im Osten des Landes brachten prorussische Separatisten nach Militärangaben aus Moskau die Stadt Wolnowacha unter ihre Kontrolle. Sie war nach russischen Angaben seit dem 28. Februar eingekesselt. Eine Bestätigung von ukrainischer Seite gab es zunächst nicht.

Experten der britischen Regierung halten Angriffe russischer Truppen auf die ukrainische Hauptstadt Kiew in den kommenden Tagen für wahrscheinlich. »Russland wird wohl versuchen, seine Kräfte neu aufzustellen für erneute Offensiven«, hieß es in einer Einschätzung des Londoner Verteidigungsministeriums. Unterdessen wächst die Angst vor einem Einsatz von Bio- und Chemiewaffen in dem Konflikt.

Die humanitäre Lage

Die Zahl der Menschen, die seit dem russischen Einmarsch aus der Ukraine geflohen sind, hat laut Angaben des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR 2,5 Millionen überschritten. Demnach seien mehr als 1,5 Millionen Menschen aus der Ukraine nach Polen, gut 225.000 nach Ungarn, 176.000 in die Slowakei und gut 282.000 in weitere europäische Länder geflüchtet. Nach Deutschland kamen laut Bundespolizei bisher knapp 110.000 Menschen.

Zusätzlich zu den Geflüchteten sind nach Schätzungen des UNHCR 1,85 Millionen Menschen innerhalb der Ukraine durch die Kriegshandlungen aus ihren Wohnungen und Häusern vertrieben worden. Aus den umkämpften Städten sind allein in den vergangenen zwei Tagen fast 100.000 Menschen evakuiert worden, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj in einer Videoansprache.

Wegen des Krieges in der Ukraine wächst auch die Angst vor Versorgungskrisen und Nahrungsmittelknappheit. So ist die Ukraine weltweit der fünftgrößte Weizenlieferant. Viele Länder würden Schwierigkeiten bekommen, sich mit Agrarrohstoffen zu versorgen, sagte Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir. Dies bedrohe in Teilen der Welt die Versorgung.

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rai/dpa/AFP/Reuters
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