Rassistische Polizeigewalt in den USA Familie eines getöteten Schwarzen erhält drei Millionen Dollar

Wie viel ist das Leben eines Menschen wert? Ein US-Bezirk hat entschieden, den Hinterbliebenen eines schwarzen Opfers von Polizeigewalt drei Millionen Dollar zu zahlen. Eine Anklage bleibt jedoch aus.
Proteste nach dem Tod von Andrew Brown Jr.

Proteste nach dem Tod von Andrew Brown Jr.

Foto: JONATHAN DRAKE / REUTERS

In einer außergerichtlichen Einigung hat ein Bezirk in North Carolina sich bereit erklärt, den Hinterbliebenen von Andrew Brown Jr. drei Millionen US-Dollar zu zahlen. Das erklärte der örtliche Sheriff in einer Stellungnahme. Der 40-jährige Afroamerikaner Brown wurde 2021 in der Kleinstadt Elizabeth City in North Carolina erschossen.

Polizisten hatten Brown am 21. April wegen Drogenvorwürfen festnehmen und eine Hausdurchsuchung vornehmen wollen. Auf Aufnahmen der Körperkameras der Beamten ist zu sehen, wie die schwer bewaffneten Polizisten das Auto umzingelten, in dem der 42-Jährige saß, und ihn zum Verlassen des Fahrzeugs aufforderten. Brown setzte den Wagen daraufhin zunächst zurück und fuhr dann nach vorn.

Die Polizisten wichen aus und feuerten 14 Schüsse auf das fahrende Auto ab. Eine Kugel traf Brown im Hinterkopf und verletzte ihn tödlich. Der gesamte Vorfall dauerte laut Staatsanwaltschaft genau 44 Sekunden.

Fall ereignet sich einen Tag nach Schuldspruch gegen Derek Chauvin

Der Fall ereignete sich kurz nach dem aufsehenerregenden Schuldspruch gegen den weißen Ex-Polizisten Derek Chauvin im Fall des getöteten Afroamerikaners George Floyd. Die Tötung des unbewaffneten 46-Jährigen vor knapp einem Jahr im Bundesstaat Minnesota hatte in den USA zu Massenprotesten gegen Rassismus und Polizeigewalt geführt.

Im Juli 2021 reichte Browns Familie eine Bürgerrechtsklage gegen den Sheriff von Pasquotank County, Tommy Wooten, und die Polizeibeamten ein und forderte zunächst 30 Millionen Dollar Schadensersatz.

»Ich verstehe, dass keine Worte Ihren Schmerz lindern könnten. Ich spreche Ihnen mein aufrichtiges Mitgefühl und meine Anteilnahme aus, während Sie weiterhin den Verlust von Andrew Brown Jr. betrauern«, sagte Wooten in einer Erklärung.

Die Anwälte der Familie sagten in der gleichen Erklärung, dass das Geld an Browns Kinder gehen wird. »Kein Vergleich könnte jemals das Loch füllen, das sein Tod in ihren Herzen hinterlassen hat. Bei dieser Vereinbarung geht es darum, für die Zukunft dieser Kinder vorzusorgen«, sagten sie.

Keine strafrechtliche Verfolgung der Hilfssheriffs

Der Bezirksstaatsanwalt von Pasquotank County, Andrew Womble, lehnte es ab, die Hilfssheriffs strafrechtlich zu verfolgen. Er sagte, sie hätten um ihr Leben gefürchtet, als Brown, der wegen des Verdachts des Kokainverkaufs gesucht wurde, mit seinem Auto auf sie zufuhr.

Der Gerichtsmediziner des Bezirks stufte Browns Tod als Mord ein. Die Anwälte der Familie beschuldigen die Polizei, den Mann »hingerichtet« zu haben. Die Anwälte der Familie erklärten, eine unabhängige Autopsie habe ergeben, dass Brown durch einen Schuss in den Hinterkopf gestorben sei. Den Anwälten zufolge habe Brown nicht flüchten wollen, sondern sich lediglich in Sicherheit bringen, weil die Beamten auf ihn geschossen hätten.

muk/Reuters
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