Flucht nach Europa Dutzende Menschen sterben bei Bootsunglücken auf dem Mittelmeer
Retter der »Sea-Watch 3« helfen am 25. Dezember 2021 Bootsflüchtlingen im Mittelmeer
Foto: Max Brugger / dpa»Der Verwesungszustand der Leichen lässt darauf schließen, dass sich der Schiffbruch vor mehreren Tagen ereignete«, sagte ein Behördenvertreter. Mit einem weiteren Anstieg der Totenzahl sei zu rechnen. Drei Überlebende des Bootsunglücks wurden nach Angaben des Behördenvertreters von Mitarbeitern des Libyschen Roten Kreuzes geborgen.
An Heiligabend barg die griechische Küstenwache nach zwei Bootsunglücken in der Ägäis 27 Leichen. Von zahlreichen Seenotfällen berichtete auch die Crew des Rettungsschiffs »Sea-Watch 3«, die binnen 30 Stunden 350 Menschen aufnahm.
🔴 Vierte Rettung in knapp über 30 Stunden. @alarm_phone hatte ein Schlauchboot in Seenot gemeldet. Unsere Crew konnte alle 78 Menschen sicher auf die #SeaWatch3 bringen, wo wir nun 350 Gäste versorgen. pic.twitter.com/o6XrcegeNN
— Sea-Watch (@seawatchcrew) December 25, 2021
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Bis Freitagabend barg die griechische Küstenwache nahe der Kykladen-Insel Paros 16 Leichen, darunter drei Frauen und ein Baby. 63 Menschen konnten gerettet werden, nachdem das Boot gekentert und gesunken war.
Nur Stunden vor dem Bootsunglück vor Paros war nahe der Insel Andikythira nordwestlich von Kreta ein Boot auf Grund gelaufen, elf Leichen wurden geborgen. 90 Menschen, die sich auf eine kleine Insel nördlich von Andikythira retten konnten, wurden den Behörden zufolge in Sicherheit gebracht. Unter den Geretteten sind den Angaben zufolge 27 Kinder und elf Frauen.
Die Küstenwache suchte während der Feiertage mit Patrouillenbooten und einem Flugzeug nach weiteren Überlebenden, auch private Schiffe beteiligten sich an der Suche. Nach Angaben der Küstenwache vom Samstag wurden zwei der auf Andikythira entdeckten Menschen festgenommen. Sie werden demnach des Menschenschmuggels verdächtigt.
Dutzende Menschen vor tunesischer Küste gerettet
Am Samstag rettete Tunesiens Marine 44 Menschen, die aus Libyen aufgebrochen waren, um nach Italien zu fahren. Die meisten von ihnen stammten nach Angaben des tunesischen Roten Halbmondes aus Syrien und Mali. Die Menschen hatten vor der Küste der Stadt Zarzis im Süden des Landes von ihrem kaputten Boot aus um Hilfe gerufen. Die Menschen sollten in Notunterkünfte in Tunesien kommen. Diese seien allerdings stark überfüllt.
Das Bürgerkriegsland Libyen hat sich in den vergangenen Jahren zum wichtigsten Transitland für Migranten entwickelt, die über das Mittelmeer nach Europa kommen wollen. Migranten sind Menschenrechtlern zufolge in Libyen immer wieder Gewalt, Erpressung und Zwangsarbeit ausgesetzt.
Nach Schätzungen des UNHCR sind von Januar bis November dieses Jahres mehr als 2500 Migranten auf dem Seeweg nach Europa gestorben. Seit 2015 haben fast eine Million Menschen, hauptsächlich Bürgerkriegsflüchtlinge aus Syrien, von der Türkei aus griechische Inseln und damit die EU erreicht.