Ein Zaun und ein Stück Strand, viel mehr müssen sie nicht überwinden, um Europa zu erreichen. Am Montag überquerten tausende Menschen die Grenze zwischen Marokko und Spanien.
Um von der marokkanischen Stadt Fnideq in die spanische Exklave Ceuta zu gelangen, schwammen die Migranten durchs Mittelmeer. Manche nutzten für die zwei Kilometer Schwimmringe oder kleine Schlauchboote. Bei Ebbe konnten die Menschen am Strand entlanglaufen.
Die Küstenstadt Ceuta gehört zu Spanien, liegt aber an der nördlichsten Spitze Marokkos. Die Exklave in Nordafrika ist Teil der EU. Wer Ceuta erreicht hat, muss noch die Straße von Gibraltar überwinden – 14 Kilometer an ihrer schmalsten Stelle – und steht dann auf europäischem Festland.
Die spanische Regierung schätzt die Zahl der Migranten auf etwa 5000 allein am Montag. Unter ihnen seien mehr als 1500 Minderjährige gewesen. Die Zeitung »El País« schrieb von einer »Autobahn auf dem Meer«. Nie zuvor seien so viele Menschen auf einmal nach Ceuta gekommen. Die Lage in der Stadt sei chaotisch, ein Aufnahmelager für Minderjährige überfüllt.
Die Polizei auf marokkanischer Seite tat wenig, um die massenhafte Überquerung der Grenze zu verhindern. Spanische Medien gehen davon aus, dass die Regierung in Marokko verärgert ist. Spanien hatte Brahim Ghali, dem Chef der Unabhängigkeitsbewegung in der Westsahara, medizinische Behandlung gestattet. Marokko beansprucht die Westsahara an seiner Südgrenze als Teil seines Staatsgebietes.
Marokko hatte die Grenze zu Ceuta vor über einem Jahr wegen der Coronapandemie geschlossen. Viele Marokkaner haben dadurch ihre Arbeit und ihr Einkommen verloren und hoffen jetzt auf ein besseres Leben in Europa. Ihre Chancen stehen schlecht: 300 Menschen wurden bereits abgeschoben.