Folgen des Krieges in Osteuropa Uno meldet mehr als 1,5 Millionen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine

Der russische Angriff gegen die Ukraine dauert an, immer mehr Menschen fliehen gen Westen. In Polen sind bereits fast eine Million Flüchtlinge angekommen. Berlins Bürgermeisterin Giffey drängt auf eine bundesweite Verteilung.
Geflüchtete ruhen sich in einem Zelt im polnischen Grenzdorf Medyka aus

Geflüchtete ruhen sich in einem Zelt im polnischen Grenzdorf Medyka aus

Foto: Visar Kryeziu / dpa

Die schweren Kämpfe in der Ukraine treiben immer mehr Menschen in die Flucht. Inzwischen haben nach Angaben des Hohen Flüchtlingskommissars der Vereinten Nationen, Filippo Grandi, mehr als 1,5 Millionen Menschen das Land verlassen.

Es handle sich um die »am schnellsten anwachsende Flüchtlingskrise« in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg, schrieb Grandi auf Twitter. Das Uno-Flüchtlingshilfswerk UNHCR hat die Situation als Notstand der Stufe drei bewertet – die höchste Kategorie. Die Uno geht von bis zu vier Millionen Flüchtlingen aus, ein deutscher Migrationsforscher rechnet im Laufe des Konflikts sogar damit, dass bis zu zehn Millionen Menschen die Ukraine verlassen könnten.

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Die Folgen des russischen Angriffskrieges machen sich dabei vor allem in den Anrainerstaaten der Ukraine bemerkbar. Nach polnischen Angaben wurden allein am Samstag 129.000 Flüchtlinge ins Land gelassen, ein neuer Tageshöchstwert. Die Behörden rechnen damit, dass die Gesamtzahl der Ankömmlinge am Sonntag die Marke von einer Million übersteigt.

»Der Grenzübertritt ist so weit wie möglich vereinfacht«, zitierte die Nachrichtenagentur Reuters eine Sprecherin des polnischen Grenzschutzes. Die Kontrollprozeduren dauerten nur noch wenige Minuten. Dem polnischen Außenministerium zufolge handelt es sich bei der Mehrheit der Geflüchteten um ukrainische Staatsbürger. Es sind aber auch Menschen aus Usbekistan, Belarus, Indien, Nigeria, Algerien, Marokko, den USA und mehreren anderen Ländern darunter.

Auch nach Rumänien fliehen täglich Zehntausende Menschen, am Samstag kamen nach Angaben der Grenzpolizei 31.628 Personen an. Die Gesamtzahl der ukrainischen Flüchtlinge liegt demnach bei fast einer Viertelmillion. Die Slowakei hat nach Polizeiangaben bis Sonntag 114.000 Menschen aufgenommen.

»Es ist notwendig, dass wir uns auf noch höhere Zahlen vorbereiten.«

Eduard Heger, Ministerpräsident der Slowakei

Bislang sei die Zahl der Menschen, die ins Land kommen, relativ stabil, sagte der slowakische Premierminister Eduard Heger am Samstag bei einem Besuch des Übergangs Vyšné Nemecké. Es könnten jedoch noch deutlich mehr Menschen vor dem Krieg fliehen. »Es ist notwendig, dass wir uns auf noch höhere Zahlen vorbereiten«, sagte Heger.

163.000 Menschen erreichten zudem Ungarn. Der dortige Premierminister Viktor Orbán, eigentlich als strikter Zuwanderungsgegner bekannt, hatte seine Entscheidung, die Grenze für Menschen aus der Ukraine zu öffnen, jüngst verteidigt. »Migranten werden gestoppt. Flüchtlinge können alle Hilfe bekommen«, wurde Orbán vom Sender Al-Jazeera  bei einem Besuch an einem Grenzposten zitiert. In der aktuellen Situation sei es möglich, zwischen Migranten und Flüchtlingen zu unterscheiden, so der Premier.

30.000 ukrainische Kinder in Moldau

Auch im vergleichsweise kleinen Moldau, das an den Süden der Ukraine grenzt, kamen zuletzt Tausende Kriegsflüchtlinge an. Das UNHCR berichtete am Freitag von 100.000 Flüchtlingen, inzwischen dürfte die Zahl höher liegen. Premierministerin Maia Sandu schrieb am Samstagabend auf Twitter von 30.000 ukrainischen Kindern im Land. »Wir sind ihre Familie, bis dieser Wahnsinn vorbei ist«, sagte Sandu.

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Berlin: Anstieg von 45 auf 10.000 Flüchtlinge – täglich

Die vom UNHCR am 4. März angegebene Zahl von mehr als 133.000 Menschen, die bislang in anderen europäischen Ländern ankamen, dürfte mittlerweile ebenfalls überholt sein. Berlins Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) sagte am Sonntagmorgen im ZDF-»Morgenmagazin«, die Stadt gerate bei der Zahl der Neuankömmlinge zunehmend an ihre Grenzen.

»Wir haben binnen einer Woche ein extrem dynamisches Geschehen: Am Anfang waren es 45 Menschen, die wir untergebracht haben, mittlerweile kommen über 10.000 am Tag, und das ist eine riesige Herausforderung, die wir versuchen, mit verschiedenen Mitteln zu bewältigen«, erklärte Giffey. Einerseits würden Ankunftszentren, Geflüchteten-Unterkünfte, Hostels, Jugendherbergen genutzt, anderseits gebe es ein großes privates Engagement.

Giffey forderte, es müsse jetzt dringend eine bundesweite Organisation und Verteilung der Geflüchteten geben, »weil wir das in diesen Größenordnungen mit den vorhandenen Strukturen hier in Berlin nicht allein schaffen«.

Hilfe für die Menschen in der Ukraine – hier können Sie spenden

fek/Reuters/dpa
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