Bootsunglück in der Ägäis Elf Flüchtlinge ertrinken vor türkischer Küste

Seit dem Sommer kommen wieder mehr Geflüchtete aus der Türkei nach Griechenland. Nun sind bei einem Unglück in der Ägäis elf Menschen gestorben - darunter acht Kinder.
Ein Taucher der türkischen Küstenwache bei dem Einsatz am Samstag

Ein Taucher der türkischen Küstenwache bei dem Einsatz am Samstag

Foto: TURKISH COAST GUARD HANDOUT/EPA-EFE/REX

Bei einem Schiffsunglück in der Ägäis vor der türkischen Westküste sind elf Flüchtlinge ums Leben gekommen, darunter acht Kinder. Acht Menschen seien gerettet worden oder konnten sich selbst an die Küste retten, teilte die türkische Küstenwache  am Samstag mit.

Das Boot der Migranten sei vor der Stadt Cesme gekentert, nahe der griechischen Insel Chios. An der Rettung waren drei Schiffe und ein Hubschrauber beteiligt. Zur Nationalität der Menschen gab es keine Informationen.

Migranten und Flüchtlinge versuchen auf gefährlichen Schiffsüberfahrten von der Türkei weiter auf Inseln des EU-Staats Griechenland zu gelangen. Seit Juli ist die Zahl der Ankünfte stark gestiegen. 2019 kamen auf dem Seeweg nach Angaben des Uno-Flüchtlingshilfsnetzwerks UNHCR knapp 60.000 Menschen nach Griechenland, beinahe doppelt so viele wie im Jahr davor.

Die östliche Mittelmeer-Route über Griechenland ist so wieder zum wichtigsten Weg in die EU geworden. Die Zahlen sind allerdings weitaus geringer als zum Höhepunkt der Flüchtlingskrise ab 2015. Erst am Samstagmorgen waren vor der Inselgruppe Paxos mindestens zwölf Flüchtlinge ums Leben gekommen

Auf den Inseln Lesbos, Samos, Chios, Leros und Kos leben die Flüchtlinge unter meist unmenschlichen Bedingungen in völlig überfüllten Lagern, in denen sie weitgehend sich selbst überlassen werden. Die griechische Regierung ist mit ihrer Unterbringung überfordert. Inzwischen harren mehr als 40.000 Geflüchtete auf den griechischen Inseln in der Ägäis aus, so viele wie noch nie.

Die griechische Regierung hatte im November angekündigt, geschlossene Lager auf den Ägäis-Inseln errichten zu wollen. Bisher sind die Lager offen, die Flüchtlinge dürfen sie verlassen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel wird am 24. Januar in die Türkei reisen, um den türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan zu treffen. Die Gespräche sollen vor allem dazu dienen, den Flüchtlingsdeal zwischen der Europäischen Union und der Türkei zu erhalten. Erdoğan hatte immer wieder damit gedroht, das Abkommen aufzukündigen und Flüchtlinge wieder in die EU weiterreisen zu lassen. In der Türkei leben nach Angaben der Behörden vier Millionen Flüchtlinge. Rund 3,6 Millionen von ihnen stammen aus dem benachbarten Bürgerkriegsland Syrien.

slü/dpa
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