Camps in Griechenland Minister Müller nennt überfüllte Flüchtlingslager "Schande"

"20.000 Menschen zusammengepfercht": Entwicklungshilfeminister Gerd Müller fordert Hilfe für die Migranten in den überfüllten Flüchtlingslagern in Griechenland.
Bewohner des Flüchtlingscamps Moria in Griechenland

Bewohner des Flüchtlingscamps Moria in Griechenland

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Petros Giannakouris/ AP

Entwicklungsminister Gerd Müller hat die überfüllten Flüchtlingslager in Griechenland als "Schande" bezeichnet und Unterstützung für die Menschen gefordert. "Wir müssen allen Menschen in den Lagern helfen. Ich empfinde es als Schande, welche Zustände mitten in Europa akzeptiert werden", sagte der CSU-Politiker der "Rheinischen Post".

Mit Blick auf die Aufnahme der ersten 47 der rund 350 von Deutschland akzeptierten Kinder aus den Flüchtlingslagern sagte er: "Mit der Evakuierung der Kinder ist das Problem ja nicht gelöst." Er habe das Lager Moria auf der Insel Lesbos besucht und selbst gesehen, "wie 20.000 Menschen zusammengepfercht in einem Lager leben, das für 3000 geplant war". Nötig seien kleinere Einheiten mit menschenwürdigen Bedingungen nach Uno-Standards.

Entwicklungshilfeminister Müller

Entwicklungshilfeminister Müller

Foto: Britta Pedersen/ dpa

In Deutschland waren Mitte April die ersten 47 Kinder und Jugendlichen aus mehreren Flüchtlingslagern auf griechischen Inseln eingetroffen. Weitere sollen folgen - wann, ist aber unklar. Bundestagsunionsfraktionsvize Thorsten Frei (CDU) sagte der "Rheinischen Post", Berlin erwarte, "dass auch die anderen europäischen Staaten ihre Zusagen einlösen. Vorher wird Deutschland keine weiteren Aufnahmen aus Griechenland durchführen."

Frei warnte zudem allgemein davor, eine zu große Zahl von Flüchtlingen aufzunehmen. Es dürfe nur "um die absoluten Härtefälle gehen". Alles andere würde die Aufnahmebereitschaft schwächen. "Zudem würden unterschiedslose Aufnahmen neue Migrationsanreize setzen", warnte Frei.

Insgesamt hatten sich zehn EU-Mitgliedstaaten bereit erklärt, rund 1600 unbegleitete Minderjährige von den griechischen Inseln aufzunehmen. Davon sollen etwa 350 nach Deutschland kommen.

Damit bleibe Deutschland weit unter seinen Aufnahmemöglichkeiten, kritisierte die Hilfsorganisation SOS-Kinderdorf. Allein die Organisation selbst könne bundesweit kurzfristig 50 bis 100 Unterbringungsplätze zur Verfügung stellen und bei Bedarf weitere Kapazitäten schaffen, sagte eine Sprecherin der Zeitung.

als/AFP
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