Drohnenaufnahmen zeigen die Anlage aus der Luft: die Stacheldrahtzäune, die gesicherten Eingangstore, das Wachpersonal.
Auf der griechischen Insel Samos ist am Samstag ein neues Flüchtlingslager eröffnet worden, das Platz für 3000 Menschen bietet.
Es ist mit Röntgenscannern und Magnettüren ausgestattet, verfügt über ein Gefangenenlager und ist nur per elektronischem Chip zugänglich.
Laut griechischen Medien dürfen die Menschen das Lager täglich zwischen 8 und 20 Uhr verlassen – bis auf jene, deren Asylgesuch abgelehnt wurde. Über Nacht bleiben die Tore für alle geschlossen.
Flüchtlingsorganisationen kritisieren das Lager.
Iorgos Karagiannis, Ärzte ohne Grenzen
»Für uns gleicht das einem Gefängnis. Es zeigt, dass die EU-Politiker lieber schädliche Gesetze umsetzen, als sich um die Menschen und ihr Asyl zu kümmern. Hinter diesen Zäunen sollen Kinder spielen, unsere Patienten sollen dort leben und werden dort festgehalten. Das ist die Wahrheit.«
Die griechische Regierung verteidigte das Konzept.
Notis Mitarakis, Migrationsminister Griechenland
»Wir haben ein neues Modell eingeführt, sogenannte geschlossene Zentren mit kontrolliertem Zugang, die auf der einen Seite bessere Lebensbedingungen mit mehr Platz für jeden Flüchtling bieten, mit allen wichtigen Einrichtungen und dem Standard, den man von einem EU-Land erwartet. Und auf der anderen Seite herrschen hier bessere Sicherheitsbedingungen für die Asylsuchenden, die Belegschaft und die umliegenden Gemeinden.«
Die EU hat für die Anlage 276 Millionen Euro bereitgestellt. Das Lager auf Samos soll als Pilotprojekt für die Flüchtlingslager auf den anderen Inseln dienen.
Auf Samos kamen noch vor zwei Jahren mehr als 10 000 Migranten an, in diesem Jahr waren es bislang 111.
Mit schärferen Kontrollen der Seegrenze und der Umsiedlung von Menschen aufs Festland konnte Griechenland die Zahlen der ankommenden Geflüchteten massiv reduzieren. Dem Land wird außerdem vorgeworfen, Asylsuchende in der Ägäis systematisch auf dem Meer auszusetzen. Athen bestreitet diese illegalen Pushbacks.