Airport Kabul Afghanen klammern sich an Flugzeugen fest

Die Bundeswehr will Deutsche und afghanische Helfer aus Kabul ausfliegen. Doch können die Maschinen überhaupt landen? Am Airport spielen sich dramatische Szenen ab, Menschen versuchen verzweifelt, in Flugzeuge zu gelangen.
Menschen auf einem Flugzeug am Airport Kabul

Menschen auf einem Flugzeug am Airport Kabul

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Wakil Kohsar / AFP

Auf dem Flughafen von Kabul versuchen Menschen verzweifelt, doch noch auf Flüge zu kommen, die sie vor den Taliban in Sicherheit bringen. Auf Videos und Bildern in den sozialen Medien ist unter anderem zu sehen, wie sie über Drehleitern in eine Maschine gelangen wollen. Andere Aufnahmen zeigen angeblich, wie Personen sich nach dem Start nicht mehr auf den Flügeln einer Maschine halten können und aus großer Höhe abstürzen. Die Authentizität der Videos lässt sich nicht überprüfen.

Deutschland hat wie andere westliche Staaten damit begonnen, seine Staatsbürger aus der afghanischen Hauptstadt zu fliegen. In der Nacht zu Montag landeten nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur 40 Mitarbeiter der deutschen Botschaft mit einem US-Flugzeug in Doha im Golfemirat Katar. Wenige Stunden später starteten am Morgen die ersten drei Militärmaschinen der Bundeswehr mit Fallschirmjägern an Bord Richtung Kabul. Sie sollen die Evakuierung absichern.

DER SPIEGEL

Ob aber die Bundeswehr ihre Evakuierungsmission überhaupt durchführen kann, ist derzeit völlig offen. In der Operationszentrale der Luftwaffe beobachten die Offiziere in den sozialen Medien seit dem frühen Morgen fassungslos die Bilder von Tausenden Afghanen, die auf den beiden Startbahnen versuchen, sich an US-Militärflieger zu klammern. Wie die Luftwaffe in dieser Situation landen und dann wieder starten soll, sei derzeit kaum zu prognostizieren, heißt es in Militärkreisen. Dies sei nur möglich, wenn die am Flughafen eingesetzten US-Soldaten die Kontrolle über das Gelände zurückgewännen.

Ursprünglich hatte sich die Bundesregierung am Sonntag nach schier endlosen internen Runden dazu durchgerungen, drei Maschinen vom Typ A400M in Richtung Afghanistan zu schicken. Zwei der riesigen grauen Flieger sollten zunächst nach Baku und von dort vollgetankt in Richtung Kabul fliegen. Aber eine Landung der ersten Maschine wird dort erst möglich sein, wenn der Airport wieder unter Kontrolle ist. Die andere Maschine sollte erst etwa drei Stunden später starten.

Jede der Airbus-Maschinen kann regulär etwa 150 Passagiere transportieren, wegen der Notlage aber würde die Luftwaffe auch mehr Menschen mitnehmen, heiß es. Laut den Planungen sollte der erste der beiden Flieger gegen 18 Uhr Ortszeit landen, der zweite dann gegen 22 Uhr. Kurz darauf sollten sie dann in Richtung Usbekistan abheben.

Von Taschkent weiter nach Deutschland

In der Theorie ist die Rettungsaktion gut organisiert. So würden die aus Kabul geretteten Passagiere schon Dienstag und Mittwoch mit Lufthansa-Maschinen aus Taschkent weiter nach Deutschland reisen. Hier bereiten sich die Behörden darauf vor, die afghanischen Ortskräfte zu registrieren und behelfsmäßig unterzubringen.

Viele der rund 80 noch in Kabul verbliebenen Deutschen sind mittlerweile bereits am militärischen Teil des Flughafens angekommen. Sie könnten, wenn die A400M der Luftwaffe denn tatsächlich heute Kabul anfliegen, nach Deutschland weiterreisen. Wie sich allerdings Hunderte afghanische Ortskräfte der Bundeswehr mit ihren Familien zum Flughafen durchschlagen sollen, ist aufgrund der chaotischen Lage in der Stadt und am Airport völlig offen. Ein Sprecher des Außenamts sagte, man könne dazu keinerlei Prognose abgeben, die Lage sei mehr als volatil.

Zwar hat das in Kabul verbliebene dreiköpfige Kernteam der Botschaft bereits Listen mit Ortskräften und anderen bedrohten Personen erstellt, mit denen sie am Flughafen abgefertigt werden könnten. Ohne einen Helikopterflug aus der Stadt aber scheint die Anreise dorthin derzeit so gut wie unmöglich.

mgb/als/dpa
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