Folge von Cyberangriff US-Präsident Biden warnt vor »echtem Krieg«

Falls es zu einem Krieg mit einer anderen Großmacht komme, werde dieser wahrscheinlich aus einem Cyberangriff resultieren: Joe Biden hat eine mögliche militärische Eskalation mit China oder Russland umrissen.
US-Präsident Joe Biden (am 13. Juli)

US-Präsident Joe Biden (am 13. Juli)

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Yuri Gripas / POOL / EPA

Zuletzt hatte es eine ganze Serie von groß angelegten Hacks auf US-Unternehmen gegeben – mit Folgen weit über die betroffenen Firmen hinaus. Vor diesem Hintergrund warnt US-Präsident Joe Biden vor einer wachsenden Bedrohung eines echten Krieges.

»Ich denke, dass wenn wir in einem Krieg enden werden – einem echten Krieg mit einer Großmacht – dass es wahrscheinlich als Folge eines Cyberangriffs von großer Tragweite sein wird, und die Wahrscheinlichkeit nimmt exponentiell zu«, sagte Biden bei einem Besuch des Büros vom Leiter des nationalen Nachrichtendiensts (ODNI) am Dienstag.

Die Regierung in Washington sehe eine wachsende Bedrohung durch Russland und China. Biden sagte, der chinesische Präsident Xi Jinping sei »todernst«, wenn es darum ginge, »die mächtigste Militärmacht der Welt sowie die größte und bedeutendste Volkswirtschaft der Welt bis Mitte der 40er-Jahre, also bis 2040, zu werden«.

Das Thema Cybersicherheit steht auf der Agenda der Biden-Regierung weit oben. Zuletzt hatte eine Reihe von öffentlichkeitswirksamen Angriffen auf Unternehmen wie die Netzwerkmanagementfirma SolarWinds, die Firma Colonial Pipeline, den Fleischverarbeitungsbetrieb JBS und die Softwarefirma Kaseya den USA weit mehr geschadet als nur den gehackten Unternehmen. Einige der Angriffe wirkten sich in Teilen der Vereinigten Staaten auf die Kraftstoff- und Lebensmittelversorgung aus.

Biden betonte, dass er auf den Nachrichtendienst, der 17 Geheimdienste beaufsichtigt, keinerlei politischen Druck ausüben werde. Seine Äußerung bedeutet eine klare Abkehr von der Politik seines Vorgängers Donald Trump, der wiederholt mit den US-Geheimdiensten aneinandergeraten war.

Streitthemen waren etwa Russlands Rolle bei Trumps Wahlsieg 2016 oder auch bei der Enthüllung, dass der damalige Präsident Druck auf die Ukraine ausgeübt hat, Ermittlungen gegen Biden einzuleiten. Trump wechselte innerhalb seiner vierjährigen Amtszeit vier Direktoren der nationalen Geheimdienste aus.

Biden wirft Russland Einmischung in die Kongresswahlen 2022 vor

Biden hingegen warf Russland vor, sich jetzt schon durch Verbreitung von Falschinformationen in die Kongresswahlen 2022 einzumischen. »Schauen Sie sich an, was Russland bereits in Hinblick auf die Wahlen 2022« unternimmt, sagte Biden. »Das ist eine reine Verletzung unserer Souveränität.«

Im Herbst 2022 finden in den USA Kongress-Zwischenwahlen statt, bei denen alle Sitze im Repräsentantenhaus und ein Drittel der Sitze im Senat zur Wahl stehen. Das Weiße Haus hatte Russland zuletzt wiederholt aufgefordert, Maßnahmen gegen Cyberattacken zu ergreifen, die russischen Hackern zugeschrieben werden.

Biden griff seinen russischen Amtskollegen Wladimir Putin mit scharfen Worten an: Putin habe »ein echtes Problem, er sitzt an der Spitze einer Wirtschaft, die Atomwaffen hat und sonst nichts«, sagte Biden. »Er weiß, dass er in Schwierigkeiten steckt, was ihn in meinen Augen noch gefährlicher macht.«

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels waren die Aussagen von Joe Biden missverständlich ins Deutsche übersetzt worden. Der US-Präsident sagte nicht, es sei »mehr als wahrscheinlich«, dass es zu einem Krieg kommen werde, sondern dass ein solcher Fall, falls er eintreten sollte, »mehr als wahrscheinlich« auf eine vorhergehende Cyberattacke zurückzuführen sein werde. Wir haben die Passage korrigiert.

jok/asa/Reuters/AFP
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