Fox-News-Moderator »Dann gibt es Aufstand« – Kritik an Tucker Carlson nach Biden-Aussage

Zur besten Sendezeit prophezeit ein Moderator im konservativen TV-Sender Fox News eine »Revolte« gegen die US-Regierung. Medienwächter werten dies als Aufruf zur Gewalt.
Fox-Moderator Tucker Carlson

Fox-Moderator Tucker Carlson

Foto: Richard Drew / AP

Tucker Carlson ist eines der bekanntesten Gesichter des Senders Fox News. Zur abendlichen Prime Time verbreitet der Moderator verlässlich teils krude Thesen über Zuwanderung, Coronamasken und das vermeintliche Versagen der Regierung von Präsident Joe Biden. Dabei sucht er absichtlich die Grenzen des Sagbaren – und überschreitet sie immer wieder.

So auch – nach Ansicht von Medienbeobachtern in den USA – an diesem Montag. In seinem Monolog ließ er sich über den Abzug der US-Truppen aus Afghanistan aus. Wortreich forderte er dabei Rücktritte auf höchster Ebene. Und dann sagte er folgenden Satz: »Wenn Anführer über längere Zeit keine Verantwortung übernehmen, dann gibt es Aufstand. Das passiert.« Im Hintergrund prangte unter anderem ein Bild von Biden.

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Media Matters, eine progressiv eingestellte Watchdog-Organisation, wertet dies als kaum verschleierten Aufruf zur Gewalt. Die Parallelen zu den Ereignissen rund um den Sturm auf das US-Kapitol im Januar 2021 dürften klar sein. Angelo Carusone, Präsident von Media Matters, sagte laut dem britischen »Guardian«: »Wenn es einen weiteren rechts motivierten Vorfall geben sollte, werden sich wieder viele in den Medien fragen: ›Wie konnte das passieren? Wo waren die Warnsignale?‹«

Vom Sender Fox News gibt es bisher offenbar keine Stellungnahme. Tucker Carlson zählt zu den wichtigsten Quotenbringern des Kanals, er genießt deshalb gewisse Freiheiten. Auch der von ihm immer wieder unterstützte Ex-Präsident Donald Trump gilt als treuer Zuschauer.

»Man braucht sich nicht in Abgründe im Internet zu begeben, wenn man rechten Extremismus sehen will. Fox News treibt die Temperatur hoch und liefert allabendlich Rechtfertigungen«, so Carusone weiter. Der Sender – und nicht die viel kritisierte Onlineplattform Facebook – sei der Treiber hinter dem zu befürchtenden nächsten Übergriff.

Sender bringt Faktencheck zum eigenen Team

Während der Trump-Ära im Weißen Haus galt Fox News als Sprachrohr des damaligen Präsidenten Trump. Als der fälschlicherweise die Wahl des designierten Präsidenten Joe Biden nicht anerkennen wollte, ließen sich die Moderatoren in dem TV-Programm über Wahlmanipulationen im ganzen Land aus.

Das hatte Folgen: So musste der Sender unter anderem die Verbreitung von Falschinformationen einräumen und zeigte einen Faktencheck über die Aussagen der eigenen Moderatoren. Zwei Hersteller von elektronischen Wahlmaschinen hatten den Sender verklagt, weil er über Wochen die haltlose These verbreitete, die Unternehmen hätten mit ihren Maschinen bewusst die Wahlen zugunsten Bidens manipuliert.

jok