Bootshavarie 15 mutmaßliche Schleuser nach Tod von Migranten im Ärmelkanal gefasst

Sie wollten in einem aufblasbaren Boot von Frankreich nach Großbritannien: 27 Migranten starben im November 2021 im Ärmelkanal. Nun meldet die Polizei in Frankreich einen ersten Ermittlungserfolg.
Reste von Schlauchbooten am Strand in Frankreich: Tausende Migranten versuchten im vergangenen Jahr nach Großbritannien zu gelangen

Reste von Schlauchbooten am Strand in Frankreich: Tausende Migranten versuchten im vergangenen Jahr nach Großbritannien zu gelangen

Foto: MOHAMMED BADRA / EPA

Lange haben Ermittler nach den Verantwortlichen für den Tod von 27 Migranten im vergangenen November gesucht. Nun können sie einen Erfolg melden. Die französische Polizei hat 15 Personen festgenommen, die an einem Schleuserring beteiligt gewesen sein sollen. Es handle sich um 13 Männer und zwei Frauen, teilte die Staatsanwaltschaft in Paris mit. Ein Festgenommener kam bereits in Untersuchungshaft, neun weitere sollten am Donnerstag dem Haftrichter vorgeführt werden.

Das aufblasbare Boot, in dem die Migranten von Frankreich nach England wollten, hatte am 24. November bei der Überfahrt Luft verloren. Die Insassen stürzten ins Wasser. Ein Fischerboot entdeckte die im Ärmelkanal treibenden Toten, darunter fünf Frauen und ein kleines Mädchen.

Die Festgenommenen sollen der Zeitung »Le Parisien« zufolge einem afghanischen Schleusernetzwerk angehören. Es soll für die gefährliche Überfahrt rund 3000 Euro pro Person kassiert haben. Die Festgenommenen seien überwiegend afghanische und pakistanische Staatsangehörige. Ihnen werde unter anderem fahrlässige Tötung, Menschenhandel und Bandenkriminalität vorgeworfen. Das Netzwerk habe sich nach der Rückkehr der radikalislamischen Taliban an die Macht in Afghanistan im August 2021 gebildet, die zu einem großen Flüchtlingsstrom führte.

Die Flüchtlingskrise bei Calais dauert bereits seit Jahren an. Frankreich und Großbritannien sowie auch Belgien, die Niederlande und Deutschland berieten nach dem tödlichen Vorfall über einen Umgang mit der steigenden Zahl von Migranten, die über den Ärmelkanal nach Großbritannien gelangen. Eine Lösung ist aber weiterhin nicht in Sicht. Erst in der Nacht zum Mittwoch brachten französische Seenotretter 84 Migranten in Sicherheit, die mit zwei Booten vor Calais und Le Touquet in Probleme geraten waren.

asc/dpa
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.