Häusliche Gewalt Französischer Abgeordneter bringt Linkspopulisten in Bedrängnis

Ein französischer Politiker gibt zu, seine Frau geschlagen zu haben. Die Reaktionen mehrerer Parteifreunde lösen nun Empörung aus.
Adrien Quatennens

Adrien Quatennens

Foto: JULIEN DE ROSA / AFP

»Es ist kein Konflikt, es ist Gewalt«: Frauenrechtsgruppen in Frankreich zeigen sich empört über den Umgang mit einem Fall häuslicher Gewalt und politischen Reaktionen darauf.

Im Zentrum des Falls stehen Adrien Quatennens, Parlamentsabgeordneter der Linksradikalen Partei La France Insoumise (LFI), und seine Frau Céline. Wie der »Guardian« berichtet , geht die Staatsanwaltschaft in Lille einer polizeilichen Meldung der Frau gegen den Politiker nach.

Nun ist Quatennens selbst an die Öffentlichkeit gegangen. Am Sonntag teilte er mit, er kenne den Inhalt der Anzeige nicht, aber seine Frau habe die Streitigkeiten des Paares dokumentieren lassen wollen. Man wolle sich scheiden lassen.

Dann folgen die Sätze, die nun empörte Reaktionen nach sich ziehen – nicht nur wegen ihres Inhalts, sondern auch wegen der Reaktion von LFI-Vertretern darauf. Quatennens gab zu, im Streit das Handgelenk seiner Frau ergriffen und ihr das Handy weggenommen zu haben. Beim Versuch, es wieder an sich zu nehmen, sei Céline auf seinen Rücken gesprungen. Als er weggelaufen sei, habe sie sich den Ellenbogen angeschlagen.

In einem vorherigen Streit habe er sie »in einem Kontext extremer Anspannung und gegenseitiger Aggression« geschlagen. Er bedaure dies zutiefst und habe sich viele Male entschuldigt.

Vorwürfe gegen Medien, Polizei und soziale Netzwerke

Für Jean-Luc Mélenchon, LFI-Kandidat bei der vergangenen Präsidentschaftswahl, ist die Sache damit offenbar erledigt. Laut »Guardian« pries er Quatennens' »Würde und Mut«. Zugleich schalt er angeblich voyeuristische Medien, die Polizei und soziale Netzwerke, weil sie sich in Privatangelegenheiten eingemischt hätten. Mit dieser Meinung steht Mélenchon nicht allein da. Die Abgeordnete Sophia Chikirou lobte Quatennens »Ehrlichkeit und Aufopferung«.

Anne-Cécile Mailfert, Chefin der Frauenrechtsorganisation Fondation des Femmes, schrieb, Mélenchon müsse sich über Gewalt in der Ehe besser informieren. Die Grünenabgeordnete Sandrine Rousseau legte Quatennens nahe, künftig von öffentlichen Auftritten abzusehen. »Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter, keines davon ist akzeptabel.« Die LFI teilte derweil mit, man engagiere sich dauerhaft im Kampf gegen Gewalt gegen Frauen.

Der 32-jährige Politiker kündigte an, sich von seinem Parteiposten zurückzuziehen. Damit wolle er die politische Bewegung und ihre Aktivisten schützen.

ulz
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