Misshandlungsvorwürfe Französischer Grünenchef gibt Spitzenämter auf

Eine Ex-Partnerin sagt, Frankreichs grüner Parteichef Bayou habe ihr psychische Gewalt angetan. Nun hat er seinen Rückzug von mehreren Ämtern angekündigt. Wegen ähnlicher Vorwürfe steht auch eine andere Partei unter Druck.
Frankreichs Grünenchef Julien Bayou

Frankreichs Grünenchef Julien Bayou

Foto: Ludovic Marin / AFP

Eine Ex-Partnerin erhebt Vorwürfe gegen den Parteichef der französischen Grünen – dieser soll psychische Gewalt ausgeübt haben. Nun hat Julien Bayou seinen Posten aufgegeben. Er trete als Generalsekretär der Partei Europe Écologie-Les Verts (EELV) sowie als Fraktionsvorsitzender im Parlament zurück, teilte Bayou mit.

Da ihm die Vorwürfe nicht klar präsentiert worden seien, könne er sich nicht verteidigen. Dies sei eine »unhaltbare Situation«, schrieb Bayou in seiner Rücktrittserklärung. Was genau Bayou vorgeworfen wird, ist unklar. Bereits im Juli hatte es eine interne Beschwerde gegen den EELV-Generalsekretär gegeben, die zunächst jedoch keine juristischen Folgen hatte. In der vergangenen Woche behauptete die grüne Abgeordnete Sandrine Rousseau in einer TV-Sendung, der Parteichef habe eine ehemalige Partnerin zu einem Suizidversuch getrieben.

Die Grünen sind die zweite Partei innerhalb des linken Oppositionsbündnisses Nupes, die wegen mutmaßlicher Gewalt gegen Frauen unter Druck gerät. Mitte September hatte bereits der linkspopulistische Abgeordnete Adrien Quatennens öffentlich eingeräumt, seine Frau geschlagen zu haben, und seinen Rücktritt von der Parteiführung angekündigt. Seine Frau hatte ihn zuvor bei der Polizei angezeigt.

»Ein System, das Angreifer schützt«

Dieser Fall erregte umso mehr Aufsehen, als Parteichef Jean-Luc Mélenchon seinen Vertrauten zunächst für dessen Mut zur öffentlichen Stellungnahme gelobt hatte, ohne ein Wort über die Frau zu verlieren.

Mehr als 500 Frauen, einige von ihnen Mitglieder linker Parteien, hatten anschließend einen Aufruf unterzeichnet. Sie protestierten gegen »ein System, das Angreifer schützt«. Mélenchon räumte später ein, dass seine Reaktion unangemessen gewesen sei. Die Debatte über den Umgang mit Vorwürfen sexueller Gewalt gegen Frauen in den eigenen Reihen hält bei dem Linksbündnis jedoch an.

Der Allianz Nupes gehören Linkspopulisten, Kommunisten, Sozialisten und Grüne an. Sie hatte bei den Parlamentswahlen im Juni ein überraschend gutes Ergebnis erzielt. Nach Umfragen sind allerdings 63 Prozent der Sympathisanten des linken Lagers überzeugt, dass das Bündnis zerbrechen wird.

mrc/AFP/dpa
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