Internationale Pressestimmen zum Wahlsieg Macrons »Zersplittertes Frankreich«, »ein Siegesabend ohne Triumph«

Emmanuel Macron kann weitere fünf Jahre im Élysée-Palast regieren. Internationale Medien bewerten den Wahlsieg des Amtsinhabers über seine rechtsextreme Herausforderin Marine Le Pen jedoch als einen Erfolg mit Makeln.
Eiffelturm in Paris: Die Wiederwahl Macrons wird von internationalen Medien nicht als uneingeschränkter Sieg interpretiert

Eiffelturm in Paris: Die Wiederwahl Macrons wird von internationalen Medien nicht als uneingeschränkter Sieg interpretiert

Foto: JB Autissier / PanoramiC / IMAGO

Emmanuel Macron hat die zweite Runde der Präsidentschaftswahl in Frankreich klar für sich entschieden. Mit 58,5 Prozent der Stimmen lag der Amtsinhaber zwar deutlicher vor seiner extrem rechten Kontrahentin Marine Le Pen (41,5 Prozent), als in manchen Prognosen vorausgesagt. Im Vergleich zum vorherigen Duell der beiden im Jahr 2017 ist Macrons Vorsprung jedoch deutlich geschrumpft.

Dementsprechend gemischt bewertet auch die internationale Presse Macrons Sieg. Als uneingeschränkter Erfolg für den 44-Jährigen wird das Wahlergebnis nirgendwo interpretiert.

»Le Monde« in Frankreich sieht etwa einen »Siegesabend ohne Triumph« für Macron. Das Resultat sei geprägt von einem historisch guten Abschneiden der extremen Rechten. Der niederländische »Telegraaf« warnt, das Ergebnis für Macron bedeute nicht, »dass gut die Hälfte der Franzosen ihn auch wirklich unterstützt. Ein großer Teil von ihnen wollte vor allem dafür sorgen, dass Marine Le Pen nicht in den Élysée-Palast einzieht.«

Kommende Wahlen für die Nationalversammlung als »Schlachtfeld für die Linke«

Der britische »Guardian« sieht Frankreich gespalten: »Macron verspricht, Frankreich zu einen, nachdem er die Bedrohung durch Le Pen abgewehrt hat«. Die Londoner »Times« blickt indes auf die bevorstehenden Wahlen für die Nationalversammlung im Juni: »Diese Wahlen werden nun entscheidend dafür sein, ob Macron ein echtes Mandat für die Umsetzung seiner Politik mit Hilfe der Gesetzgebung erhält. Sie werden ein wichtiges Schlachtfeld für die Linke sein, die zwar nicht die zweite Runde der Präsidentschaftswahlen erreichte, aber immer noch über eine breite Unterstützung von Gewerkschaften, Lehrern und Staatsbediensteten sowie jungen Wählern verfügt.«

»Macron setzt sich in einem zersplitterten Frankreich gegen Le Pen durch«, schreibt auch die spanische Tageszeitung »El País «. »Macrons Erfolg ist beachtlich, wenn man bedenkt, dass seine bisherige Amtszeit geprägt war von den Protesten der Gelbwesten, der Coronapandemie und dem Krieg in der Ukraine«, so das Blatt. Nach seiner zweiten Amtszeit werde Macron ein Jahrzehnt lang regiert haben – »Zeit genug, um das Land sowie die Europäische Union zu prägen«.

»Gesund für Frankreich, aber noch mehr für die Europäische Union«

Die italienische »La Repubblica« wertet Macrons Sieg als »gesund für Frankreich, aber noch mehr für die Europäische Union.« »Stellen wir uns mit einem Schaudern vor der nun abgewendeten Gefahr vor, wie es um Europa in dieser dramatischen Kriegslage gestanden hätte, wenn der Élysée von einer putinfreundlichen Person besetzt gewesen wäre, die sogar Schuldnerin beim Kreml für alte Finanzierungen ist und sich eine Rückkehr zum Europa der Nationen erhofft«, schreibt das Blatt mit Blick auf die guten Kontakte Marine Le Pens nach Moskau.

Die US-Zeitung »Washington Post« zieht eine gemischte Bilanz Macrons bisheriger Amtszeit: »Nach fünf Jahren im Amt ist es Macron nicht gelungen, den Links- oder den Rechtspopulismus endgültig ins Abseits zu drängen.« Das »Wall Street Journal« bewertet das Ergebnis insbesondere mit Blick auf die Zusammenarbeit in der Nato positiv. Macron gebühre »das Verdienst, die Welt vor Le Pen gerettet zu haben. Die langjährige Putin-Verfechterin will Frankreich aus der Nato-Kommandostruktur abziehen«.

Die konservative Zeitung »Lidove noviny« aus Tschechien sieht bei den beiden Kandidaten durchaus Gemeinsamkeiten: »Macron und Le Pen sind politisch nicht so weit voneinander entfernt, wie es auf den ersten Blick scheinen mag. Beide verweisen immer wieder auf Ex-Präsident Charles de Gaulle, dessen Erbe für Frankreich von entscheidender Bedeutung sei.«

fek/dpa