Regierungswechsel in Frankreich Jean Castex wird neuer Premierminister

Nach dem Rücktritt der französischen Regierung hat Präsident Emmanuel Macron Jean Castex zum neuen Premierminister ernannt.
Der neue französische Premierminister Jean Castex

Der neue französische Premierminister Jean Castex

Foto:

Gonzalo Fuentes/ Pool/ AFP

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hat den 55 Jahre alten Jean Castex zum neuen Premierminister ernannt. Das teilte der Élysée-Palast am Freitag mit. Castex soll nun die neue Regierung zusammenstellen. Zuvor waren Premier Édouard Philippe und die Mitte-Regierung geschlossen zurückgetreten.

Castex ist ein enger Vertrauter des früheren konservativen Präsidenten Nicolas Sarkozy und seit 2008 Bürgermeister der Stadt Prades in Südwestfrankreich. Bei den bürgerlich-rechten Republikanern ist er ein hochrangiger Funktionär.

Der Öffentlichkeit war Castex nicht besonders bekannt, bis er während der Coronakrise die Lockerungen im Land koordinierte. In der französischen Presse trägt er daher den Spitznamen "Monsieur déconfinement" - wobei "déconfinement" für die Aufhebung der Ausgangsbeschränkungen steht.

Castex arbeitete bereits mit verschiedenen Regierungen zusammen, unter anderem beriet er Sarkozy in Sozialfragen und war seit 2017 Delegierter für die Olympischen Spiele 2024 in Paris.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron hatte eine Kabinettsumbildung zuletzt bereits angedeutet. Mit dem Rücktritt der kompletten Mitte-Regierung unter Édouard Philippe am Freitagvormittag fiel sie jedoch überraschend deutlich aus. Grund für die Änderungen war wohl der Aufschwung der Grünen, die zuletzt bei den Kommunalwahlen triumphierten. Der Sieg von Premier Philippe in Le Havre war einer der wenigen Lichtblicke für Macron.

Infolge der Niederlage für sein eigenes Lager kündigte Macron an, die Regierung umzugestalten - und so verlorenes Vertrauen in der Bevölkerung zurückzugewinnen. Der "ökologische Wiederaufbau" ist dabei eine seiner Prioritäten. Er betonte in Interviews mit Regionalzeitungen aber auch: "Ich glaube, dass der Kurs, den ich 2017 eingeschlagen habe, nach wie vor richtig ist." Er wolle künftig aber noch mehr auf Dialog setzen.

Macron geht mit der Umbildung der Regierung und insbesondere mit dem Wechsel des Premiers ein Risiko ein. Philippe hatte sich während der Corona-Pandemie als besonnener Krisenmanager profiliert und lag in Beliebtheitsumfragen zuletzt vor dem Präsidenten. Darum hatten viele bis zuletzt geglaubt, Macron würde trotz der absehbaren Umbildungen an ihm festhalten.

Deutsche Regierung erwartet keine Auswirkungen

Die Bundesregierung erwartet von dem Regierungswechsel in Paris keine Auswirkungen auf die deutsch-französischen Beziehungen. Sie habe "mit der jetzt scheidenden Regierung unter Premierminister Philippe sehr eng, sehr erfolgreich zusammengearbeitet", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin. "Wir sind sehr zuversichtlich, dass wir das auch mit der Nachfolgeregierung tun werden - auf allen Gebieten, in der Breite, die der deutsch-französischen Freundschaft entspricht", fügte er hinzu.

ire/dpa/afp
Verwandte Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.