Französischer Linkspolitiker Mélenchon will Macron herausfordern

Tausende waren 2017 zu seinen Auftritten geströmt – nun könnte es Jean-Luc Mélenchon erneut versuchen. Der französische Linkspolitiker will sich um die Präsidentschaft bewerben. Unter einer Bedingung.
Jean-Luc Mélenchon (Archiv)

Jean-Luc Mélenchon (Archiv)

Foto: GUILLAUME SOUVANT/ AFP

Nur knapp hatte Jean-Luc Mélenchon 2017 die Stichwahl verpasst. Im Rennen um die Präsidentschaft in Frankreich kam er auf 19,6 Prozent der Stimmen. Emmanuel Macron, der spätere Wahlsieger, landete im ersten Durchgang bei 24 Prozent. Auf Rang zwei lag die rechtsextreme Marine Le Pen mit 21,3 Prozent.

Und dennoch war die Wahl 2017 für den linken Populisten Mélenchon ein Triumph. Seine Wahlkampfauftritte wurden zu Massenveranstaltungen mit Tausenden Menschen, im Endspurt gelang ihm eine rasante Aufholjagd. Etwa sieben Millionen Wähler stimmten letztlich für Mélenchon.

Nun könnte er es erneut versuchen. Am Sonntagabend machte Mélenchon seine Ambitionen öffentlich: 2022 will er abermals als Präsidentschaftskandidat antreten – und damit Amtsinhaber Emmanuel Macron herausfordern.

150.000 Unterstützer gesucht

Allerdings knüpfte Mélenchon seine Bewerbung an eine Bedingung: 150.000 Menschen müssen seine Kandidatur über eine Onlineplattform unterstützen, teilte er mit. Er sei dafür, dass Bürgerinnen und Bürger die Möglichkeit hätten, einen Kandidaten zu nominieren. "Ich möchte dazu beitragen, dass wir wieder Lust auf die Zukunft bekommen", schrieb Mélenchon in einer Erklärung.

Mélenchon war 1951 im marokkanischen Tanger zur Welt gekommen und mit elf Jahren nach Frankreich gezogen. Er studierte Philosophie und arbeitete als Lehrer, bevor er in die Politik ging. Mélenchon war lange in der Sozialistischen Partei.

Der 69-Jährige würde nach 2012 und 2017 bereits zum dritten Mal als Präsidentschaftskandidat ins Rennen gehen. Bei den Wahlen vor drei Jahren trat er mit seinem linken Wahlbündnis La France Insoumise (LFI) an. Mélenchon ist heute Vorsitzender der LFI-Fraktion in der Nationalversammlung.

Bewunderung bei Deutschlands Linken

Seine Erfolge 2017 sorgten auch für Bewunderung in den Reihen der deutschen Linkspartei. Vor allem die damalige Fraktionschefin Sahra Wagenknecht und der frühere Parteichef Oskar Lafontaine suchten die Nähe zu Mélenchon. Dessen Bewegung diente als eine Art Inspiration für den nach kurzer Zeit gescheiterten Versuch, mit der Gruppe "Aufstehen", in Deutschland ebenfalls die Massen zu mobilisieren.

Ende 2019 wurde Mélenchon nach Vorfällen bei einer Hausdurchsuchung zu einer Haftstrafe von drei Monaten auf Bewährung verurteilt. Ihm wurde unter anderem Aufwiegelung vorgeworfen. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass es bei Durchsuchungen der Räumlichkeiten seiner Partei zu Auseinandersetzungen zwischen Mélenchon und Antikorruptionsermittlern gekommen war. Mélenchon hatte von einem "politischen Prozess" gesprochen.

kev/dpa
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