Streit über U-Boot-Deal mit Australien Frankreich sagt Treffen mit britischem Verteidigungsminister ab

Der U-Boot-Streit unter Nato-Partnern spitzt sich zu: Nun hat Paris ein Treffen zwischen Verteidigungsministerin Parly und ihrem britischen Kollegen platzen lassen. Auch China und Nordkorea mischen sich ein.
Das Schnellangriffs-U-Boot USS Missouri verlässt Pearl Harbor-Hickam: Ein neues Sicherheitsbündnis zwischen Australien, Großbritannien und den USA sorgt für Spannungen

Das Schnellangriffs-U-Boot USS Missouri verlässt Pearl Harbor-Hickam: Ein neues Sicherheitsbündnis zwischen Australien, Großbritannien und den USA sorgt für Spannungen

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Chief Petty Officer Amanda Gray / dpa

Großbritannien und die USA wollen Australien mit Atom-U-Booten ausrüsten und sorgen damit für Spannungen mit Frankreich. Inmitten des Streits hat Paris nun ein Treffen von Verteidigungsministerin Florence Parly mit ihrem britischen Kollegen Ben Wallace abgesagt. Das in dieser Woche in London geplante Treffen werde nicht stattfinden, hieß es am Sonntagabend aus Parlys Ministerium. Grund sei eine »Absage durch Frankreich«.

Hintergrund der Absage ist offenbar der anhaltende Streit um die Gründung eines neuen Sicherheitsbündnisses für den Indopazifik zwischen den USA, Großbritannien und Australien. Dieses veranlasste die australische Regierung dazu, ein milliardenschweres U-Boot-Geschäft mit Frankreich platzen zu lassen und stattdessen US-Atom-U-Boote anzuschaffen. Dies empörte die Regierung in Paris.

Der Fall belaste die Zukunft der Nato und wirke sich auf die Festlegung des neuen strategischen Konzepts des Bündnisses aus, sagte Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian am Wochenende. Zudem warf er den Verbündeten »Lüge, Doppelzüngigkeit, einen schweren Vertrauensbruch und Geringschätzung« vor. In den kommenden Tagen ist ein Krisengespräch von US-Präsident Joe Biden mit seinem französischen Kollegen Emmanuel Macron geplant.

Kritik aus China und Nordkorea

Das neue Sicherheitsbündnis sorgt zudem nicht nur in Paris für Ärger. Auch China hatte das neue Bündnis kritisiert und als »extrem unverantwortlich« bezeichnet. Dadurch würden der regionale Frieden und die Stabilität untergraben, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Peking.

Auch Nordkorea zeigt sich besorgt und hat angesichts des neuen Indopazifik-Sicherheitsbündnisses vor einem atomaren Wettrüsten in der Region gewarnt. »Dies sind äußerst unerwünschte und gefährliche Handlungen, die das strategische Gleichgewicht in der asiatisch-pazifischen Region stören und ein nukleares Wettrüsten auslösen werden«, zitierte die staatliche Nachrichtenagentur KCNA einen Vertreter des Außenministeriums am Montag.

Das neue Bündnis mache deutlich, dass die USA »die Hauptschuldigen für den Sturz des internationalen Systems der Nichtverbreitung von Atomwaffen sind«, sagte der Ministeriumsvertreter. Pjöngjang werde »mit Sicherheit entsprechende Gegenmaßnahmen ergreifen«, falls das Bündnis »auch nur die geringste negative Auswirkung auf die Sicherheit unseres Landes hat«.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version des Artikels war von Frankreichs Verteidigungsminister die Rede. Das Amt hat mit Florence Parly jedoch eine Frau inne. Wir haben die Stelle angepasst.

asc/AFP
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