Militärische Machtdemonstration Frankreich testet atomar bestückbare Mittelstreckenrakete

Nach dem Brexit ist Frankreich das einzige EU-Land mit eigenen Atomwaffen. Präsident Macron lässt sein Militär nun eine ASMPA-Rakete testen – und die Nato aktiviert an der Ostflanke die Fähigkeiten zur ABC-Abwehr.
Französische Kampfjets

Französische Kampfjets

Foto: Thanassis Stavrakis / AP

Militärische Machtdemonstration an der Atlantikküste: Frankreich hat erfolgreich eine modernisierte Variante seiner atomar bestückbaren Mittelstreckenrakete (ASMPA) getestet. Verteidigungsministerin Florence Parly zeigte sich zufrieden mit der Erprobung der strategischen Luft-Boden-Mittelstreckenrakete, die am Mittwoch ohne Sprengstoff von einem Rafale-Kampfjet aus abgefeuert wurde, wie das Ministerium mitteilte.

Das Rüstungsprogramm entspreche dem Willen von Präsident Emmanuel Macron, »die operative Glaubwürdigkeit der Streitkräfte auf dem vom internationalen Umfeld geforderten Niveau aufrechtzuerhalten«, hieß es.

Nach dem erfolgreichen Test der ASMPA-Rakete werde nun die Serienproduktion der Waffe anlaufen, mit der sowohl die Luftwaffe, die nuklearen Luft- und Seestreitkräfte als auch die Marine ausgestattet werden sollen. Das 2009 in Dienst genommene ASMPA-Raketensystem soll 2035 durch ein Nachfolgesystem abgelöst werden, aktuell geht es um eine Modernisierung. Frankreich ist nach dem Brexit das einzige EU-Land mit eigenen Atomwaffen.

Nato warnt Kreml vor Chemiewaffeneinsatz

Der Oberbefehlshaber der Nato-Streitkräfte in Europa hat derweil Bündnisfähigkeiten zur Abwehr von chemischen, biologischen und atomaren Bedrohungen aktiviert. Wie Generalsekretär Jens Stoltenberg am Donnerstag am Rande des Nato-Sondergipfels in Brüssel sagte, verstärken Mitgliedstaaten derzeit zudem auch die multinationalen Gefechtsverbände an der Ostflanke mit zusätzlichen ABC-Elementen. Einzelheiten zu der Entscheidung von General Tod D. Wolters nannte Stoltenberg allerdings nicht.

In der Nato wird seit einiger Zeit befürchtet, dass Russland angesichts schleppender Fortschritte im Krieg gegen die Ukraine versucht sein könnte, dort Massenvernichtungswaffen einzusetzen. Als Hinweis darauf werden auch unbelegte Vorwürfe gegen die Ukraine und Nato-Staaten gewertet, selbst einen Einsatz chemischer und biologischer Waffen vorzubereiten. »Wir haben schon einmal erlebt, dass diese Art, andere zu beschuldigen, eigentlich ein Mittel ist, um einen Vorwand zu schaffen, das Gleiche selbst zu tun«, sagte Stoltenberg.

Der Norweger warnte Russland zudem, dass sich chemische Kampfstoffe bei einem Einsatz in Russland auch auf Nato-Territorium ausbreiten könnten. Wie die Nato auf einen solchen Fall reagieren würde, sagte Stoltenberg nicht. Er sprach lediglich von »weitreichenden und schwerwiegenden Folgen«.

dop/dpa