Französische Mittelmeerinsel Verletzte bei schweren Ausschreitungen auf Korsika

Ein schwerer Angriff auf einen inhaftierten Separatisten hat auf der französischen Insel Korsika gewaltsame Proteste ausgelöst. Nun kam es erneut zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Polizei.
Gewaltsame Proteste auf Korsika: In der Inselhauptstadt Ajaccio warfen Demonstranten Steine

Gewaltsame Proteste auf Korsika: In der Inselhauptstadt Ajaccio warfen Demonstranten Steine

Foto: PASCAL POCHARD-CASABIANCA / AFP

Die französische Mittelmeerinsel Korsika wird seit Tagen von heftigen Protesten erschüttert. Am Mittwochabend ist es nun zu schweren Ausschreitungen in mehreren Städten gekommen. In Bastia im Norden der Insel wurden 23 Polizisten, mindestens drei Demonstranten sowie ein Fotojournalist verletzt, wie die Präfektur der Region Haute-Corse am Abend mitteilte. Gewalttätige Demonstranten hätten Polizisten am Präfekturgebäude der Stadt unter anderem mit 95 Molotowcocktails angegriffen, hieß es.

In der Inselhauptstadt Ajaccio im Süden der Insel griffen Demonstranten laut Angaben der dortigen Präfektur ebenfalls die Polizei vor dem Verwaltungsgebäude unter anderem mit Brandbomben und Steinen an. Die Polizei habe Tränengas und Schockgranaten eingesetzt. Die Behörden meldeten mindestens vier Verletzte, darunter einen Journalisten. Der Zeitung »Corse Matin« zufolge wurde auch der Justizpalast von einem Molotowcocktail getroffen, die Feuerwehr löschte einen Brand. In der Stadt Calvi griffen Demonstranten Behördenangaben zufolge ebenfalls ein Verwaltungsgebäude mit Brandbomben und Steinen an.

Verurteilter Separatist nach Attacke im Gefängnis im Koma

Auf der beliebten Ferieninsel kommt es seit rund einer Woche zu Demonstrationen und Ausschreitungen. Auslöser war ein Angriff auf den inhaftierten korsischen Separatisten Yvan Colonna. Dieser war im Gefängnis im südfranzösischen Arles von einem Mitgefangenen angegriffen und lebensgefährlich verletzt worden.

Der 61-jährige Colonna befindet sich im Koma. Er war wegen des Mordes am Präfekten von Korsika 1998 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Demonstranten werfen den französischen Behörden vor, Colonna entgegen dessen Bitte nicht in ein Gefängnis auf Korsika verlegt zu haben.

Korsische Separatisten kämpften jahrzehntelang mit Gewalt für die Unabhängigkeit von Frankreich. 2014 legte die Untergrundorganisation FLNC die Waffen nieder, etwa zeitgleich gewannen gemäßigte Nationalisten politisch an Bedeutung.

asc/dpa

Mehr lesen über

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.