Nach Enthauptung von Lehrer Frankreichs Innenminister lässt Moschee in Pariser Vorort schließen

Der brutale Mord an einem Geschichtslehrer hat Frankreich erschüttert. Nun muss eine Moschee bei Paris zumachen. Dort war ein Video geteilt worden, das den Pädagogen anprangerte.
Demonstranten mit Bild des Getöteten: "Nicht eine Minute Aufschub für die Feinde der Republik"

Demonstranten mit Bild des Getöteten: "Nicht eine Minute Aufschub für die Feinde der Republik"

Foto: BERTRAND GUAY / AFP

Zehntausende Menschen hatten sich am Wochenende auf den Straßen Frankreichs versammelt, um Solidarität mit dem ermordeten Geschichtslehrer Samuel Paty zu demonstrieren. Nun folgt auch eine politische Reaktion. Nach der Enthauptung des Mannes hat Frankreichs Innenminister Gérald Darmanin die Schließung einer Moschee in einem Vorort von Paris angeordnet.

Die Moschee habe bei Facebook ein Video geteilt, in dem der Unterricht des getöteten Lehrers angeprangert wurde, sagte der Minister am Montag dem Sender TF1. Am selben Tag gab es zudem nach Ministeriumsangaben 34 Polizei-Operationen gegen Menschen und Vereinigungen, die dem islamistischen Spektrum nahestehen sollen.

Die Islamisten stünden "nicht unbedingt in Verbindung" mit dem Mord an dem Lehrer, sagte Darmanin. Die Einsätze zielten vielmehr darauf ab, "eine Botschaft zu vermitteln: nicht eine Minute Aufschub für die Feinde der Republik". Dem Imam der geschlossenen Moschee im Pariser Vorort Pantin warf der Minister vor, den Lehrer bedroht und die Adresse der Schule veröffentlicht zu haben.

Der 47-jährige Paty war am Freitag in der Nähe seiner Schule in Conflans-Sainte-Honorine bei Paris von einem 18-Jährigen enthauptet worden. Er hatte mit seinen Schülern das Thema Meinungsfreiheit im Unterricht behandelt und dabei Mohammed-Karikaturen verwendet. Daraufhin mobilisierte der Vater einer Schülerin massiv im Netz gegen ihn. Präsident Emmanuel Macron sprach unmittelbar nach dem Verbrechen von einem islamistischen Terrorakt.

Alles deutet auf einen Anschlag hin

Auch die französischen Ermittler gehen von einem islamistisch motivierten Anschlag aus. Der Angreifer mit russisch-tschetschenischen Wurzeln wurde nach der Tat von der Polizei erschossen.

Eine Gruppe namens BarakaCity, gegen die die französischen Behörden ebenfalls vorgehen wollen, warf dem Innenminister beim Onlinedienst Twitter vor, "verrückt" zu werden und eine Tragödie auszunutzen. Die Gruppe beschreibt sich selbst als humanitäre Organisation.

jok/AFP
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.