Coronavirus Frankreichs Premier verkündet Schließung öffentlicher Einrichtungen

Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Rathäuser dürfen offen bleiben - alles andere muss schließen. Wegen der Coronakrise hat Frankreichs Premier Philippe ab Mitternacht massive Einschränkungen angekündigt.
Eifelturm in Paris

Eifelturm in Paris

Foto: IAN LANGSDON/EPA-EFE/Shutterstock

Frankreich schränkt wegen der Coronavirus-Krise das öffentlichen Leben drastisch ein. Um die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen, kündigte Premierminister Édouard Philippe an, dass ähnlich wie im Nachbarland Italien um Mitternacht Cafés, Geschäfte, Restaurant und Kinos geschlossen werden müssen. Ausnahmen gebe es für Lebensmittelgeschäfte, Apotheken und Tankstellen.

Auch der öffentliche Personenverkehr bleibe aufrechterhalten, Philippe rief die Franzosen jedoch dazu auf, ihn limitiert zu nutzen. Die Menschen sollten nur rausgehen, um Vorräte zu kaufen oder bei Wahlen abzustimmen. So viele Menschen wie möglich müssten von zu Hause aus arbeiten, sagte Philippe. Der Premierminister wisse um die Opfer, die französische Bürger bringen müssten, die Situation sei aber ernst.

In Frankreich ist die Zahl der Todesfälle infolge des Coronavirus am Samstag auf 91 gestiegen, am Freitag waren es offiziell noch 79 Todesopfer. Das teilte die zuständige Behörde mit. Die Zahl der registrierten Infektionen stieg demnach binnen eines Tages von 3661 auf 4499.

Phase drei hat begonnen

"Der beste Weg, die Ausbreitung der Epidemie zu stoppen, ist die räumliche Distanz", sagte Philippe. Nach der Rede von Frankreichs Präsident Emmanuel Macron am Donnerstagabend seien in Frankreich immer noch zu viele Menschen in Restaurants oder Cafés gegangen, monierte er. Macron hatte sich mit einer Rede an die Französinnen und Franzosen gewandt und erklärt, dass ab Montag alle Bildungseinrichtungen schließen werden.

Diese Maßnahme, so erklärte Philippe, sei mit dem Präsidenten Emmanuel Macron abgestimmt und nach einer ausführlichen Beratung mit  Wissenschaftlern erfolgt. Nun gelte in Frankreich die sogenannte Phase drei, erklärte der nationale Gesundheitsdirektor, Jérôme Salomon. Dies ist die höchste Stufe im Kampf gegen Epidemien. Zuvor hatte die zweite Stufe gegolten, Frankreich hatte unter anderem alle Veranstaltungen mit mehr als 1000 Menschen untersagt.

Seit Tagen war befürchtet worden, dass diese "Phase drei" Frankreich erreicht. Innerhalb von 72 Stunden hätte sich die Zahl der Infizierten verdoppelt, erklärte Salomon. Wie Philippe appellierte Salomon an die Vernunft der Franzosen und bat sie eindringlich, zu Hause zu bleiben. Bei leichten Symptomen, empfahl der Gesundheitsdirektor, sollten sich die Menschen selbst behandeln und nicht in die überlastete Arztpraxen gehen.

Kommunalwahlen in Frankreich

Der erste Wahlgang der Kommunalwahlen soll morgen trotzdem wie geplant stattfinden. Nach Konsultation der Wissenschaftler spräche nichts dagegen - vorausgesetzt alle Sicherheitsvorkehrungen würden eingehalten. 47 Millionen Franzosen können am Sonntag in insgesamt 35.000 Städten und Gemeinden neue Bürgermeister wählen. Die Kommunalwahlen finden in Frankreich alle sechs Jahre und in zwei Wahlgängen statt. Am Sonntag, den 22. März, wird im zweiten Wahlgang gewählt.

Zu den Sicherheitsvorkehrungen gehört ein Mindestabstand der Wähler von einem Meter, die Wahlkabinen werden regelmäßig desinfiziert, die Anzahl der Wähler in den Wahllokalen auf ein Minimum reduziert. Zudem solle jeder Wähler nach Möglichkeit eigene Kugelschreiber in schwarzer oder blauer Farbe mitbringen, hieß es.

Im Nachbarland Italien haben Behörden landesweit drastische Sperrmaßnahmen verhängt, um das Ansteckungsrisiko zu begrenzen. Die meisten Geschäfte sind geschlossen und Menschen aufgefordert, ihre Häuser möglichst nicht zu verlassen. In Fabriken darf hingegen weiter gearbeitet werden. Italien ist nach China das Land mit den meisten Todesopfern durch Covid-19.

bsa/hba/dpa
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