Gleichberechtigung Stadt Paris muss wegen übertroffener Frauenquote 90.000 Euro Strafe zahlen

Weil zu wenige Männer auf Spitzenposten der Stadtverwaltung berufen wurden, soll Paris eine Geldbuße zahlen. Die Bürgermeisterin spricht nun von einer »absurden« und »ungerechten« Entscheidung.
Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo

Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo

Foto: Vincent Isore / imago images/IP3press

Normalerweise mangelt es in Unternehmen und auch in Politik und Verwaltung an Frauen in Führungspositionen – doch für die Stadt Paris wird gerade das Gegenteil zum Problem. Sie soll wegen der Diskriminierung von Männern bei der Besetzung von Spitzenposten in der städtischen Verwaltung eine Geldbuße von 90.000 Euro zahlen.

Die Geldstrafe wurde laut französischen Medien bereits in der vergangenen Woche verhängt, nun äußerte sich die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo zu dem Bußgeld. Sie sprach von einer »absurden« und »ungerechten« Entscheidung.

Grund ist nach Angaben der Nachrichtenagentur AFP, dass die Stadt im Jahr 2018 16 neue Leitungsposten ausgeschrieben hatte, von denen schließlich elf an Frauen und fünf an Männer gingen.

Die Frauenquote lag demnach bei 69 Prozent der Stellen – zu hoch, wie das Ministerium für öffentliche Verwaltung meint. Es beruft sich auf eine Vorschrift, wonach solche Posten zu mindestens 40 Prozent von Angehörigen eines Geschlechts besetzt werden müssen. Mit nur 31 Prozent seien Männer bei der Pariser Ausschreibung benachteiligt worden, hieß es.

Bürgermeisterin Hidalgo von der Sozialistischen Partei sagte, sie empfinde insgeheim »Freude« über den Bußgeldbescheid. Sie kündigte an, den Scheck zusammen mit ihren Stellvertreterinnen und anderen Frauen auf Chefposten persönlich zu überreichen.

Zugleich warf sie dem Ministerium einen »unverantwortlichen, gefährlichen« Schritt vor. »Um eines Tages die Parität zu erreichen, müssen wir aufs Tempo drücken, damit mehr Frauen als Männer ernannt werden«, sagte sie.

In Deutschland hatte sich die Große Koalition im November grundsätzlich darauf geeinigt, dass es in den Vorständen börsennotierter und paritätisch mitbestimmter Unternehmen mit mehr als drei Mitgliedern künftig mindestens eine Frau geben muss.

fek/AFP
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