Oslo Welternährungsprogramm erhält Friedensnobelpreis

Trump, Greta Thunberg und die WHO galten als Kandidaten. Nun hat das norwegische Nobelkomitee verkündet: Der Friedensnobelpreis geht an das Welternährungsprogramm. Begründet wurde dies mit der Notwendigkeit für Multilateralität.
Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen verteilt Essen in Syrien

Das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen verteilt Essen in Syrien

Foto:

Aboud Hamam / REUTERS

Die Weltgesundheitsorganisation WHO, Klimaaktivistin Greta Thunberg, Kremlkritiker Alexej Nawalny und auch US-Präsident Donald Trump galten als Kandidaten. Stattdessen hat das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen den Friedensnobelpreis erhalten.

Die Uno-Organisation werde damit unter anderem für ihre Bemühungen im Kampf gegen den Hunger sowie ihren Beitrag zur Verbesserung der Friedensbedingungen in Konfliktgebieten ausgezeichnet, sagte die Vorsitzende des Komitees, Berit Reiss-Andersen, bei der Preisbekanntgabe.

Der Kampf gegen Hunger sei insbesondere in Zeiten der Corona-Pandemie wichtig. Hunger zu verhindern, trage dazu bei, Stabilität und Frieden in der Welt zu schaffen. Ein Sprecher des Welternährungsprogramms sagte, dies sei ein "stolzer Moment".

"Das ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich sprachlos bin. Das ist unglaublich", sagte WFP-Chef David Beasley in einem Video auf Twitter. "Wow! Wow! Wow!" Die Auszeichnung gehe an die gesamte "WFP-Familie".

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Beasleys Organisation schrieb in einer Erklärung: "Wo es Konflikt gibt, gibt es Hunger. Und dort, wo Menschen Hunger leiden, herrscht oft Konflikt. Der heutige Tag ist eine Erinnerung daran, dass gesicherte Ernährung, Frieden und Stabilität Hand in Hand gehen."

Der Friedensnobelpreis gilt als die renommierteste politische Auszeichnung der Erde und ist diesmal mit zehn Millionen schwedischen Kronen (rund 950.000 Euro) dotiert.

Im vergangenen Jahr war er an den äthiopischen Ministerpräsidenten Abiy Ahmed gegangen, der damit vor allem für seine Initiative zur Lösung des Grenzkonflikts mit dem Nachbarland Eritrea geehrt worden war.

Merkel gratuliert zur Auszeichnung

In Berlin gratulierte Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) dem Welternährungsprogramm: "Wenn es eine Organisation verdient hat, dann gehört diese mit Sicherheit dazu." Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Organisation würden eine unglaubliche Arbeit leisten und Menschen helfen. "Und deshalb freut mich diese Vergabe des Friedensnobelpreises sehr", sagte die Kanzlerin.

Auch EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen hat die Vergabe des Friedensnobelpreises an das Welternährungsprogramm begrüßt. "Es ist unsere moralische Pflicht, dafür zu sorgen, dass kein Kind hungrig zu Bett geht", schrieb von der Leyen am Freitag auf Twitter. Die EU werde das Uno-Programm weiter unterstützen.

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Favoriten im Vorfeld unklar

Das Kandidatenfeld für den renommiertesten politischen Preis der Erde war in diesem Jahr groß - vorab kristallisierte sich kein klarer Favorit heraus. In den Wettbüros wurden die WHO und Klimaaktivistin Thunberg als Topfavoriten gehandelt.

Experten hatten gemutmaßt, dass der Preis an eine Journalistenorganisation oder junge Aktivisten etwa aus dem Sudan oder aus Somalia gehen könnte. Die Nobel-Institutionen selbst halten die Namen der Kandidaten - in diesem Jahr waren es 211 Persönlichkeiten sowie 107 Organisationen - 50 Jahre lang geheim.

Der Friedensnobelpreisträger wird als einziger aller Nobelpreisträger nicht in Stockholm, sondern in Oslo verkündet und geehrt. Verliehen werden die Auszeichnungen am 10. Dezember, dem Todestag des Dynamit-Erfinders und Preisstifters Alfred Nobel. In diesem Jahr findet das sowohl in Oslo als auch in Stockholm wegen der Coronavirus-Pandemie in anderem und deutlich kleinerem Rahmen statt.

mrc/mfh/dpa