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Gestorben FW de Klerk, 85

aus DER SPIEGEL 46/2021
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Roger Askew / Shutterstock

Warum wird ein Mann, der viel Macht besitzt, zum Revolutionär? Der Politiker Frederik Willem de Klerk hätte in Südafrika ein bequemes Leben führen können. Er kam 1936 in Johannesburg als Sohn einer politisch einflussreichen Familie zur Welt und en­ga­gierte sich als Student bei nationalistischen Organisationen. Später wurde er für die Nationale Partei ins Parlament gewählt, jener Partei, die jahrzehntelang auf die Rassentrennung bestand. De Klerk stieg zum Minister für Inneres auf, wurde 1989 zum Staats­­präsidenten gewählt – und überraschte mit der radikalen Forderung, die Apartheid abzuschaffen. Mehr als 30 verbotene Parteien und Organisationen wurden praktisch über Nacht legalisiert, darunter der African National Congress (ANC). Zudem veranlasste de Klerk, dass der 27 Jahre lang inhaftierte ANC-Führer Nelson Mandela sowie 120 weitere politische Gefangene entlassen wurden. »Etwas, das fundamental falsch ist, lässt sich nicht wiedergutmachen, indem man ein Pflaster draufklebt«, sagte de Klerk später. 1993 wurden er und Mandela mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet, 1997 zog er sich aus der Politik zurück. Trotzdem mischte er sich immer wieder in Debatten ein – etwa voriges Jahr, als er fast trotzig darauf pochte, die Apartheid sei zwar schlimm, aber kein »Verbrechen gegen die Menschlichkeit« gewesen. Frederik Willem de Klerk starb am 11. November in seinem Haus nahe Kapstadt.

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