Energiekrise FDP-Generalsekretär Djir-Sarai kritisiert Habeck für »Duschtipps«

FDP-Generalsekretär Djir-Sarai wirft Wirtschaftsminister Habeck vor, in der Gaskrise zu wenig zu tun. Die Empfehlungen des Grünen zum Energiesparen findet er ein »wenig zu plump«.
Bijan Djir-Sarai: Habeck habe lange gebraucht, um Kohlekraftwerke zu reaktivieren

Bijan Djir-Sarai: Habeck habe lange gebraucht, um Kohlekraftwerke zu reaktivieren

Foto: Chris Emil Janssen / IMAGO

Die Bundesregierung sucht nach Lösungen für drohende Energieengpässe im Winter. Nun hat FDP-Generalsekretär Bijan Djir-Sarai Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) für das Vorgehen in der Gaskrise kritisiert. »Aus meiner Sicht tut er zu wenig«, sagte Djir-Sarai der Neuen Berliner Redaktionsgesellschaft.

Seit Anfang März sei klar gewesen, dass Russland den Gashahn zudrehen könnte und die Speicher so schnell wie möglich gefüllt werden müssten. Habeck habe lange gebraucht, um Kohlekraftwerke zu reaktivieren.

Um Gas zu sparen, dürfen in Deutschland nun wieder vermehrt Kohlekraftwerke zur Stromerzeugung zum Einsatz kommen. Das Bundeskabinett beschloss am Mittwoch eine entsprechende Verordnung. Kraftwerke, die mit Kohle und Öl betrieben werden und sich aktuell in der Netzreserve befinden, können demnach bis zum Ende des Winters befristet an den Strommarkt zurückkehren.

Djir-Sarai kritisierte zudem die Empfehlungen des Grünenpolitikers, wie Bürger Energie sparen könnten. »Aufgabe des Wirtschaftsministers ist es, Versorgungssicherheit zu gewährleisten und nicht Duschtipps zu geben. Das ist mir, offen gestanden, ein wenig zu plump.«

Sozialverband warnt vor »zynischer« Debatte

Kritik an der aktuellen Debatte kommt auch vom Sozialverband VdK. Dieser warnt angesichts der drohenden Gasnotlage vor Zwangseinsparmaßnahmen zulasten privater Haushalte und kritisiert die Debatte über eine Energiesparpflicht als zynisch. »Die Versorgung der Privathaushalte muss weiterhin an oberster Stelle stehen«, sagte VdK-Präsidentin Verena Bentele der »Augsburger Allgemeinen«. »Dazu braucht es Unterstützung für alle, die in schlecht isolierten Wohnungen leben und selbst daran nichts ändern können.«

»Das sind meist Menschen mit geringen Einkommen, auch arme Rentnerinnen und Rentner«, sagte Bentele weiter. »Von ihnen verbindlich zu fordern, Gas zu sparen ist zynisch und geht an der Lebensrealität vorbei.« Eine warme Wohnung und eine warme Mahlzeit dürfe für sie, aber auch für chronisch Kranke und Pflegebedürftige nicht zu »Luxusgütern« werden. »Wenn sie dauerhaft frieren, kann das schwere gesundheitliche Probleme verursachen.«

Dagegen begrüßte der Verband der Familienunternehmen die Aussagen von Bundeswirtschaftsminister Habeck, dass bei einer Gasmangellage alle Verbraucher Beiträge zum Energiesparen leisten müssten. »Minister Habeck hat zu Recht die Diskussion eröffnet, wie jeder Verbraucher Gas einsparen kann«, sagte Verbands-Hauptgeschäftsführer Albrecht von der Hagen der »Augsburger Allgemeinen«.

»Wenn Russland uns kein Gas mehr liefert, fehlen uns rund 50 Prozent«, warnte er. »Mit den sicheren Gaslieferungen könnten zwar die Wohnungen wie bisher geheizt werden, aber die Industrie müsste dann dicht machen.« Es helfe den Menschen nicht, »wenn sie in sehr warmen Wohnungen leben, aber den Arbeitsplatz verlieren, um Gas und Strom bezahlen zu können«.

asc/dpa/AFP
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