Raketen aus Gaza Israel greift nach Beschuss wieder Ziele der Hamas an

Nach Zusammenstößen zwischen Polizei und Palästinensern in Jerusalem spitzt sich die Situation im Gazastreifen zu. Videos von extremistischen Übergriffen beider Seiten befeuern die Lage.
Kinder im Kibbuz Nahal Oz vor den Spuren einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete

Kinder im Kibbuz Nahal Oz vor den Spuren einer aus dem Gazastreifen abgefeuerten Rakete

Foto: JACK GUEZ / AFP

Die Lage im Gazastreifen spitzt sich zu: Israelische Kampfflugzeuge haben am Samstag Ziele der Hamas angegriffen. Zuvor hatte das israelische Militär einen Beschuss mit 36 Raketen aus dem Gazastreifen gemeldet. Die Eskalation folgte auf heftige Zusammenstöße zwischen Palästinensern und der israelischen Polizei im Osten Jerusalems am Freitag.

Bereits am Donnerstag war es in Jerusalem zu Zusammenstößen gekommen. Im Anschluss hatte der bewaffnete Flügel der Hamas den Palästinensern in Ostjerusalem seine Unterstützung zugesagt. Der Beschuss mit 36 Raketen war nach Angaben des israelischen Militärs der heftigste seit Beginn des Jahres. Ein Teil der Geschosse sei vom Raketenabwehrsystem »Iron Dome« abgefangen worden, weitere seien auf freiem Feld eingeschlagen.

Ausschreitungen in Jerusalem

Medienberichten zufolge begannen die Auseinandersetzungen nach einer Veranstaltung von rechten Israelis. Sie sollen unter anderem palästinenserfeindliche Parolen gerufen haben. Nach Angaben der Polizei wurden rund 20 Beamte verletzt.

Die Gewalt in Ostjerusalem brach aus, als nach den Abendgebeten nach Sonnenuntergang Tausende Muslime das Gelände der Al-Aksa-Moschee verließen. Sie sahen sich Dutzenden bewaffneten Polizisten gegenüber, auch berittene Polizei war im Einsatz. Einige Palästinenser bewarfen die israelischen Beamten mit Wasserflaschen und Steinen. Die Polizei setzte Blendgranaten und Wasserwerfer ein. Es gab mehrere Festnahmen und Verletzte. »Es war wie in einem Kriegsgebiet, es war gefährlich«, sagte ein Palästinenser, der die Zusammenstöße aus der Nähe beobachtet hatte, der Nachrichtenagentur AFP.

Auch am Grenzübergang Kalandija zwischen Jerusalem und dem von Israel besetzten Westjordanland versammelten sich Tausende Palästinenser, wie die israelische Polizei mitteilte. In Bethlehem im Westjordanland warfen den Angaben zufolge Palästinenser Steine und Brandsätze auf das Grab der biblischen Matriarchin Rachel, das für Juden, aber auch Muslime eine Pilgerstätte ist.

Rechtsextreme Juden gegen Araber, Araber gegen ultraorthodoxe Juden

In den vergangenen Tagen waren die Spannungen zwischen muslimischen Palästinensern und jüdischen Israelis durch eine Reihe von Videos angeheizt worden. Sie zeigten, wie junge Araber ultraorthodoxe Juden angreifen und wie jüdische Extremisten nachts Araber auf der Straße schikanieren. Am Donnerstagabend organisierte die rechtsextremistisch-jüdische Lehava-Organisation einen Aufmarsch in Jerusalem. Bei Auseinandersetzungen zwischen Levaha-Anhängern und aufgebrachten Palästinensern wurden am Donnerstag nach Angaben der palästinensische Hilfsorganisation Roter Halbmond mindestens 105 Menschen verletzt. Hinzu kamen nach Angaben der Behörden 20 verletzte Polizisten. Damit waren es die schwersten Zusammenstöße zwischen Israelis und Palästinensern seit Jahren.

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas verurteilte »die zunehmende Aufhetzung durch extremistische rechte israelische Siedlergruppen, die für die Tötung von Arabern eintreten«. Nach Angaben der amtlichen palästinensischen Nachrichtenagentur Wafa forderte er die internationale Gemeinschaft auf, sich für den Schutz der Palästinenser einzusetzen.

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Das US-Außenministerium in Washington zeigte sich angesichts des jüngsten Gewaltausbruchs »zutiefst besorgt« und mahnte zur Ruhe. »Die Rhetorik extremistischer Demonstranten, die hasserfüllte und gewaltsame Parolen skandieren, muss entschieden zurückgewiesen werden«, schrieb der Sprecher des Ministeriums, Ned Price, auf Twitter.

Das Auswärtige Amt in Berlin weist in seinen Reisehinweisen darauf hin, dass während des Fastenmonats Ramadan die Lage in der Altstadt Jerusalems und deren unmittelbarer Umgebung besonders angespannt ist.

sem/AFP/dpa
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