Geflüchtete in Italien Überfülltes Camp auf Lampedusa soll geräumt werden

Nach Berichten über ein vermülltes Auffanglager auf Lampedusa bringt die Regierung Migrantinnen und Migranten in andere Unterkünfte. Bis Montag soll das Camp komplett geräumt sein.
Geflüchtete vor Lampedusa (im Mai 2021)

Geflüchtete vor Lampedusa (im Mai 2021)

Foto: Alberto Pizzoli / AFP

Berichte über ein extrem überfülltes und vermülltes Flüchtlingscamp auf Lampedusa haben in Italien die Debatte über den Umgang mit Migrantinnen und Migranten, die über das Mittelmeer kamen, angefacht.

Am Freitag waren in der Einrichtung, die für rund 350 Menschen ausgelegt ist, laut Berichten etwa 1800 Personen gezählt worden. Daraufhin schickte das Innenministerium nach eigenen Angaben am Samstag ein Marineschiff, um 600 Menschen von der Insel wegzubringen. Am Sonntag sollen weitere Migrantinnen und Migranten auf andere Camps in Süditalien verteilt werden. Vorrang bei der Evakuierung haben laut Ministerium vulnerable Menschen.

Überfüllte Mülleimer, Abfall in den Gängen

Bürgermeister Filippo Mannino sagte laut Nachrichtenagentur Ansa, dass das Auffanglager bis Montag komplett evakuiert werden sollte.

Am Freitag hatte die Ex-Bürgermeisterin von Lampedusa, Giusi Nicolini, bei Facebook  aktuelle Bilder und ein Video aus dem Camp veröffentlicht. Darauf sind Menschen zu sehen, die auf alten Schaumstoffmatratzen zum Teil im Freien liegen, völlig überfüllte Mülleimer und bergeweise Abfall auf den Gängen. Unter den Leuten seien schwangere Frauen und Kinder. »Die Bilder könnten aus Libyen sein. Aber nein, das ist Italien«, schrieb die Politikerin.

Flavio Di Giacomo vom Mittelmeerbüro der Uno-Organisation für Migration (IOM) schrieb am Samstag bei Twitter von einer »Schande auf Lampedusa«. Rechte Politiker wie Lega-Chef Matteo Salvini und Giorgia Meloni von den Fratelli d’Italia werfen der Linken und Innenministerin Luciana Lamorgese (parteilos) Versagen vor.

Das Innenministerium in Rom registrierte bis zum Wochenende mehr als 30.000 Menschen, die in diesem Jahr mit Booten an italienischen Küsten – darunter auch Lampedusa – angekommen sind. Die Menschen wagen die oft gefährliche Überfahrt von Nordafrika aus, weil sie sich in der EU ein besseres Leben erhoffen. Viele werden von zivilen Rettungsschiffen aufgenommen, oft kommt es zu tödlichen Unfällen.

mar/dpa
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