Transkript von Polizeieinsatz veröffentlicht George Floyd flehte mindestens 20 Mal um Luft zum Atmen

Polizeikameras filmten aus nächster Nähe, wie brutal George Floyd bei seiner Festnahme im Mai von den Beamten behandelt wurde. Die "New York Times" veröffentlicht nun Transkripte, die dokumentieren, wie der 46-Jährige um Atemluft flehte - und wie die Polizisten reagierten.
Gedenkstätte am Ort des tödlichen Einsatzes gegen George Floyd in Minneapolis

Gedenkstätte am Ort des tödlichen Einsatzes gegen George Floyd in Minneapolis

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LUCAS JACKSON/ REUTERS

George Floyd hat die Polizisten, die ihn am 25. Mai in Minneapolis festnahmen und brutal am Boden fixierten, offenbar etliche Male um Atemluft angefleht. Das belegt ein 82-seitiges Transkript, aus dem die "New York Times " umfänglich zitiert und das auf den Aufnahmen einer Bodykamera beruht, die einer der Polizisten bei dem Einsatz trug. Der Beamte Thomas Lane hat die Aufnahmen bei einem Gericht in Minneapolis eingereicht, offenbar um zu erreichen, dass die Anklage gegen ihn fallen gelassen wird. Der Polizist, der im Fokus steht, ist sein Kollege Derek Chauvin. Er war es, der sein Knie auf den Hals des am Boden liegenden Floyd drückte und ihm die Luft abschnitt. George Floyd starb qualvoll und flehte immer wieder um Luft.

Mehr als 20 Mal während des Einsatzes sagte der 46-Jährige zu den Polizisten: "Ich kann nicht atmen." Auch sagte er offenbar mehrmals: "Sie bringen mich um." Und an einem Punkt wörtlich: "Momma, ich liebe dich. Sag meinen Kindern, ich liebe sie. Ich bin tot."

Der hauptverdächtige Polizist, Derek Chauvin, soll daraufhin entgegnet haben: "Dann hör auf zu reden, hör auf zu schreien, Reden verbraucht verdammt viel Sauerstoff."

Chauvin wird laut der "New York Times" nicht nur dadurch belastet, dass Floyd keinen Widerstand geleistet habe. Sein Kollege Thomas Lane soll demnach vorgeschlagen haben, Floyd lieber auf die Seite zu legen, statt ihm das Knie in den Nacken zu drücken. Chauvin soll jedoch gesagt haben: "Nein, er bleibt, wo wir ihn haben." Auch als Floyd ohnmächtig wurde, soll Chauvin nicht abgelassen haben.

Prozessbeginn wohl erst im kommenden Jahr

Ebenfalls liegt der Zeitung offenbar das Anrufprotokoll vor, das zeigt, warum der Einsatz überhaupt zustande kam. Demnach waren die Polizisten zu einem Geschäft gerufen worden, in dem Floyd mit einem gefälschten 20-Dollar-Schein Zigaretten gekauft haben soll. Floyd sei sehr betrunken und "außer Kontrolle" gewesen, teilte einer der Verkäufer laut dem Protokoll mit. Wenige Minuten später eskalierte die Situation dann vor dem Geschäft.

Floyd war kurz nach dem Einsatz am 25. Mai in einem Krankenhaus für tot erklärt worden. Chauvin hatte sein Knie insgesamt mehr als acht Minuten lang in Floyds Nacken gedrückt. In der Folge kam es in den USA, aber auch in anderen Staaten zu Protesten gegen Rassismus und Polizeigewalt.

Der Prozess gegen insgesamt vier mutmaßlich an der Tötung Floyds beteiligte Ex-Polizisten soll indes erst am 8. März kommenden Jahres beginnen. Zuvor wird es am 11. September noch eine Anhörung zu Verfahrensfragen geben.

Chauvin wird unter anderem Mord zweiten Grades vorgeworfen, worauf in Minnesota bis zu 40 Jahre Haft stehen. Den übrigen Ex-Polizisten wird Beihilfe zur Last gelegt.

fek