Mordfall Sarah Everard Gericht bestätigt Fehlverhalten der Polizei gegen Frauenrechtlerinnen

Der Mord an Sarah Everard erschütterte vor einem Jahr Großbritannien, der Täter war ein Polizist. Nun rügte ein Gericht die Londoner Polizei, weil sie eine Mahnwache für das Opfer aufgelöst hatte.
Ariana Lamcellari, 4, im irischen Dublin bei einem Protest gegen Gewalt gegen Frauen nach dem Mord an Sarah Everard (2021)

Ariana Lamcellari, 4, im irischen Dublin bei einem Protest gegen Gewalt gegen Frauen nach dem Mord an Sarah Everard (2021)

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CLODAGH KILCOYNE / REUTERS

Die Londoner Polizei hat wegen eines Einsatzes bei einer Demonstration von Frauenrechtlerinnen vor Gericht eine Niederlage erlitten. Scotland Yard habe die Rechte der Frauen verletzt, entschied der High Court in London am Freitag und gab damit einer Klage der Organisation »Reclaim These Streets« statt.

Seit Monaten steht die Polizei in London massiv in der Kritik, weil Beamte in Straftaten verwickelt waren. Bei dem Streit vor Gericht ging es um eine Mahnwache für die ermordete Londonerin Sarah Everard, die im März 2021 auf dem Heimweg von einem Polizisten entführt, vergewaltigt und ermordet wurde – er hatte seinen Polizeiausweis benutzt, um ihre Festnahme vorzutäuschen.

Die Frauen hatten sich im vergangenen Frühjahr im Freien versammeln wollen, um gegen den Mord an der 33-jährigen Everard zu protestieren. Das war aber unter Verweis auf die damals geltenden Coronaregeln untersagt worden – zu Unrecht, wie nun das Gericht entschied. Die Polizei habe nicht ausreichend geprüft, ob die Frauen gerechtfertigte Gründe für die Versammlung gehabt hätten, hieß es in dem Urteil.

Den Organisatorinnen waren damals Strafverfolgung und Bußgelder von bis zu 10 000 Pfund für den Fall angedroht worden, dass sie an der Mahnwache festhielten. Die Frauen zogen daraufhin ihre Pläne zurück. Trotz der Absage versammelten sich Tausende spontan zu einer Mahnwache. Die Polizei ging hart gegen einige Demonstrantinnen vor, manche Frauen wurden mit Handschellen abgeführt.

Polizeieinsatz gegen Patsy Stevenson bei einer Demonstration in London nach dem Mord an Sarah Everard (2021)

Polizeieinsatz gegen Patsy Stevenson bei einer Demonstration in London nach dem Mord an Sarah Everard (2021)

Foto: Hannah Mckay / REUTERS

Erst kürzlich hatte eine Untersuchung der Londoner Polizei große Missstände bescheinigt. Die Metropolitan-Police war in den vergangenen Jahren immer wieder in die Kritik geraten – unter anderem aufgrund von diskriminierendem oder frauenfeindlichem Verhalten einiger Polizisten.

Eine Dienststelle wurde geschlossen, weil sich die Beamten im untersuchten Zeitraum von 2016 und 2018 rassistische, sexistische und homophobe Nachrichten ausgetauscht, wie die Aufsichtsbehörde in ihrem Bericht darlegte. Bei den Nachforschungen fanden die Ermittler unter anderem Textnachrichten wie »Ich würde dich gern vergewaltigen«. Bei einer anderen Gelegenheit teilte ein Polizist mit, dass er seine Frau schlage, weil »sie dich dann mehr lieben«. Ein Polizeibeamter prahlte wiederholt damit, Sex mit einer Prostituierten zu haben, die er während der Arbeit kennengelernt hatte.

Die bisherige Polizeichefin Cressida Dick trat vor einigen Wochen auf Druck des Londoner Bürgermeisters Sadiq Khan zurück. Ihre Nachfolge ist offen.

abe/AFP/dpa/Reuters
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